Sonntag, 11. Januar 2009

Poetische Socken

In der Altjahr-Woche - oder zwischen den Jahren - habe ich ein Paar Kniesocken für meinen Liebsten zu stricken begonnen. Es sollten ganz besondere Socken werden. Sie entstanden auf der Grundlage der Anleitung für die "Pearls of Wisdom" aus dem Buch Socks, Socks, Socks. Anders als in der Anleitung verstrickte ich nur zwei Farben (Valore 5fach von Jakob-Wolle in schwarz und grau, Nadelspiel 3,25 mm) und liess die Füsse ungemustert, dafür sind die Fersen zweifarbig verstärkt gearbeitet. Mit Hilfe der Funktion Foto-Merge habe ich versucht, das Fair-Isle-Muster sichtbar zu machen (ist mir allerdings nicht so gut gelungen; die doppelten Buchstaben sind wegzudenken). Der Text entspricht der letzten Strophe von Pablo Nerudas Gedicht "Oda a mis calcetinas" (Ode an meine Socken). Und da mein Partner einerseits hispanophil ist und andererseits Nerudas Gedichte bewundert, fand ich diese Idee äusserst passend ;-) Die deutsche Übersetzung dazu lautet:

Schönheit ist zweifache Schönheit,
und was gut ist, ist doppelt gut,
wenn es um Socken
aus Wolle geht,
im Winter.


Oda a mis calcetines

Me trajo Mara Mori
un par de calcetines,
que tejió con sus manos de pastora,
dos calcetines suaves como liebres.
En ellos metí los pies
como en dos estuches
tejidos con hebras del
crepúsculo y pellejos de ovejas.

Violentos calcetines,
mis pies fueron dos pescados de lana,
dos largos tiburones
de azul ultramarino
atravesados por una trenza de oro,
dos gigantescos mirlos,
dos cañones;

mis pies fueron honrados de este modo
por estos celestiales calcetines.

Eran tan hermosos que por primera vez
mis pies me parecieron inaceptables,
como dos decrépitos bomberos,
bomberos indignos de aquel fuego bordado,
de aquellos luminosos calcetines.

Sin embargo, resistí la tentación
aguda de guardarlos como los colegiales
preservan las luciérnagas,
como los eruditos coleccionan
documentos sagrados,
resistí el impulso furioso de ponerlas
en una jaula de oro y darles cada
día alpiste y pulpa de melón rosado.

Como descubridores que en la selva
entregan el rarísimo venado verde
al asador y se lo comen con remordimiento,
estiré los pies y me enfundé
los bellos calcetines, y luego los zapatos.

Y es esta la moral de mi Oda:
Dos veces es belleza la belleza,
y lo que es bueno es doblemente bueno,
cuando se trata de dos calcetines
de lana en el invierno.
(Pablo Neruda 1904 - 1973)

Kommentare:

Strickstube hat gesagt…

*ola* Katarina
dos ganz schöne calcetines hast du deinem Liebsten gestrickt, wirklich ganz, ganz toll!

An meinen *negritas* calcetines hatte ich 2 x bis nach Mitternacht gestrickt, damit sie noch termingerecht fertig wurden.Nun gibts dann ein paar Tage Strickpause, damit sich vor Allem meine Nackenmuskeln wieder etwas entspannen können:-)

Tut mir leid, dass Griselda euch verlassen hat :-(

Liäbi Grüäss
Hilde

Regina hat gesagt…

Sehr schöne Socken und das ist ein wunderbares Gedicht, gell. Vor allem die Stelle, an welcher er die Socken in einen goldenen Käfig legen und mit rosa Melonenstückchen füttern möchte, finde ich immer wieder umwerfend.

Marlies hat gesagt…

Ohhh schön ist das Gedicht danke Katarina. Und die Socken sehen einfach Klasse aus. Ganz liebi GRüessli Marlies

Netty hat gesagt…

Eine tolle Idee, seinen Liebsten mit so etwas zu überraschen!
Und das Gedicht - sehr schön!

LG Netty

frau wo aus po hat gesagt…

wunderschön! ... und eine tolle idee!
lg, geli

Petra hat gesagt…

Wow, was für tolle Socken. Echt Spitze!
Petra (ohne Blog)