Donnerstag, 19. November 2009

Weihnachts-Post für Bloggersdorf


Hier bin ich auf diese liebenswerte Aktion gestossen - da mache ich doch gerne mit! Eine richtig gute Idee ... ist kreativ, lustig, macht Freude und kostet nicht viel.

Mittwoch, 18. November 2009

Unter Druck ...

... und unterdessen unglaublich müde bin ich. Ich habe ein kaum zu bewältigendes Programm, seit meine Mutter gestorben ist.

Am Montag bin ich in Zürich, um meiner Mutter Wohnung zu räumen - meine Brüder sind beide 100% berufstätig und haben noch schulpflichtige Kinder, sodass sie kaum Zeit haben, mir zu helfen. Am Dienstag kommt die Spitex; am Mittwoch bekomme ich meine Chemo, von der ich mich donnerstags erholen muss. Am Freitag bin ich wieder in Zürich mit Räumen beschäftigt, am Samstag kommt "mein bisschen Haushalt" zum Zuge. Und sonntags kann ich mich manchmal erholen ... wenn ich nicht wieder nach Zürich fahre, weil sich meine Brüder Zeit nehmen, mir beim Räumen zu helfen (und ich umständehalber eben den besten Überblick habe).

Manchmal denke ich, dass ich mit dem Krebs und den Nebenwirkungen der Chemo eigentlich schon genug zu tun hätte. Aber nur manchmal. So langsam zeigt sich ja der berühmte Silberstreifen am Horizont; bis Ende Monat wird die Wohnung geräumt sein, und die Malerarbeiten können beginnen! Dann kann die Putzequipe ihres Amtes walten, und schon ist die Wohnung bereit für die Nachmieter...

Samstag, 31. Oktober 2009

Abschiedsfeier für meine Mutter

Es war lange still in meinem Blog; so still wie in mir drin, irgendwie. Obwohl das so natürlich auch nicht ganz stimmt. Der Abschied von meiner Mutter ist ein langer Prozess; ganz abgeschlossen wird er wohl nie sein. Irgendwann werde ich Frieden schliessen können mit der Tatsache, dass sie gestorben ist - manche sagen, sie sei uns nur vorausgegangen. Und da wir aller Wahrscheinlichkeit nach alle eines Tages sterben werden, stimmt das ja auch. Aber ob es nach dem Tod irgendwie weitergeht? Ich weiss es nicht. Einerseits leuchtet es mir völlig ein, dass mit dem physischen Leben auch die seelisch-geistige Existenz ein Ende findet. Andererseits könnte ich mir auch vorstellen, dass das, was wir Seele oder Geist nennen, sich nach dem Sterben des Leibes mit so etwas wie einem Universal-Geist vereinigt. Nur ein geistiges, seelisches oder sonstiges Weiterleben nach dem Tod als Individuum übersteigt meine Vorstellungskraft... Am 23. Oktober, ihrem Geburtstag, haben wir von unserer Mutter Abschied genommen. Dies ist der Urnenkranz, durch dessen Mitte ihre Asche ins Grab gesenkt wurde. Ich habe die Blumen und Blätter ihres Grabschmucks mit Bedacht ausgewählt, sie haben alle ihre Bedeutung:
  • die roten Rosen stehen einerseits für ihr liebevolles Wesen, andererseits für ihr Engagement bei den Rosenkreuzern (Lectorium Rosicrucianum)
  • die weissen Blüten sind Sinnbild für die Reinheit ihrer Seele und die innere Unschuld, die sie sich zu bewahren wusste
  • die orangefarbenen Chrysanthemen symbolisieren ihr inneres Feuer; sie setzte sich bis zum letzten Tag für die Dinge ein, die ihr wichtig waren
  • die grünen Blätter und Ranken stehen für die Hoffnung, die sie auch in den dunkelsten Zeiten ihres Lebens nie verloren hatte
  • die Chilischoten versinnbildlichen ihren Intellekt, den messerscharfen Verstand, mit dem sie schwierige Situationen zu analysieren und zu lösen verstand
Natürlich bin ich nicht ganz unbefangen, aber ich halte meine Mutter für eine ausserordentlich mutige und kluge Frau. In den späten 1950er-Jahren hat sie - bereits Mutter von drei kleinen Kindern - die Matura (Abitur) nachgeholt und danach an der Universität Zürich das Psychologiestudium aufgenommen und dieses mit Bestnoten abgeschlossen. Sie war in diesem anspruchsvollen Beruf immer mit Herz und Seele dabei; die kühle Distanz zu ihren Klient/innen war ihr fremd - was ihr Leben auch nicht gerade leichter machte.

Natürlich zwang ihr Studium mich und meine Brüder früh zu einer gewissen Selbstständigkeit. Manchmal wünschten wir uns zwar durchaus, ein ganz normales Mami zu haben, aber rückblickend finde ich, dass uns ihr Studium absolut nicht geschadet hat. Im Gegenteil: Das kritische Denken, die Fähigkeit, uns den Fragen und Problemen unseres Lebens aktiv und konstruktiv zu stellen, hat damals seinen Anfang genommen. Sie hat unsere Argumente in Diskussionen immer ernst genommen; so haben wir gelernt, genau zu formulieren, was uns bewegt.

Sie war zeitlebens offen und experimentierfreudig, ständig auf der Suche nach einer spirituellen Heimat. So verbrachte sie beispielsweise viele Monate im Ashram von Bhagwan Shree Rajneesh (Osho) in Poona/Indien. Später lebte sie jahrelang mit einer Frau zusammen, was in dieser Zeit auch nicht gerade als gesellschaftskonform galt.

In den letzten zwölf Jahren ihres Lebens wurde sie ruhiger. Sie schloss sich dem lectorium rosicrucianum an und fühlte sich dort sowohl spirituell als auch menschlich sehr gut aufgehoben. Sie pflegte viele Kontakte, vor allem mit uns Kindern und mit ihren Schwestern, aber auch mit den Menschen im Quartier und natürlich mit den Rosenkreuzern. Sie war bis zuletzt geistig/intellektuell sehr beweglich; es liess sich mit ihr trefflich über Gott und die Welt diskutieren...

Und nun ist sie fort. Gestorben, vorausgegangen - Begriffe spielen keine Rolle. Ich werde die Aufgabe, sie gehen zu lassen und trotzdem in meinem Herzen zu bewahren, irgendwann bewältigen.

Ich danke euch allen, die ihr so liebe- und verständnisvoll Anteil nehmt an meinem Verlust! Ihr seid grossartig!

Sonntag, 18. Oktober 2009

Hin und wieder stricke ich...

Aber ja, doch, klar - auch wenn man trauert, hilft das Stricken! Ich habe ein Paar Auftragssocken in Arbeit und ein Fichu, das ich vor einigen Wochen für die Schwester meiner Nachbarin begonnen habe, deren Mann nach langer Krankheit gestorben war. Die Socken stricke ich in Grösse 41 auf einem 2,75-mm-Nadelspiel aus handgefärbter Sockenwolle von Brigitte. Aussen laufen seitlich zwei Zöpfli, eines bis in die Ferse (Herzchenferse), das andere bis zum Beginn des Bandabnehmens. Obwohl ich mich ernsthaft bemühte, ist es mir nicht gelungen, dass die Musterung bei beiden Socken gleich ausfällt. Aber ich finde, das stört eigentlich nicht ernsthaft, oder? Am Lace-Fichu stricke ich aus einem unglaublich weichen Lace-Yarn mit einer 3,25-mm-Rundstricknadel jeweils während der Chemo-Infusion auf der Onkologie. Es war eigentlich als Trost gedacht für jene Witwe, die ihren Mann bis zu seinem Tod liebevoll gepflegt hatte. Und nun tröstet mich das Stricken über den Tod meiner Mutter hinweg; der fertige Halsschmeichler wird demnach als doppelter Tröster in meine Strickgeschichte eingehen.

P.S.:
Die Farben liessen sich mal wieder überhaupt nicht korrekt fotografieren...

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Leben und Tod

Nun sind schon bald drei Wochen vergangen, seit meine Mutter gestorben ist. So langsam beginne ich zu glauben, dass sie wirklich fort ist und nie mehr zurückkommen wird. Nächste Woche - am 23., ihrem Geburtstag - wird ihre Urne beigesetzt.

Meine Brüder und ich fanden, es sei geradezu perfekt, an ihrem Geburtstag offiziell von ihr Abschied zu nehmen. So schliesst sich ihr Lebenskreis im Wortsinn.

Inzwischen geht das Leben weiter. Ich gehe zu meiner Chemotherapie und ertrage die Nebenwirkungen. Und wenn ich mich nur einigermassen dazu imstande fühle, helfe ich meinem jüngsten Bruder, Mamis Wohnung zu räumen. Dabei haben wir gestern eine erstaunliche Entdeckung gemacht.

Offenbar hatte meine Mutter in letzter Zeit immer mal wieder Schuhe und Kleider für mich eingekauft; wunderschöne, teure Sachen, die ich mir nie hätte leisten können. Sie hat auch etliche (!) Seidenpullover und -jacken gestrickt, alles in meinen Farben! Sogar ein Zweiteiler ist dabei; alles passt wie angegossen. Ich werde gelegentlich Bilder davon zeigen, im Moment ist es noch zu nah...

Ich trage nun einen dieser schönen handgestrickten Pullover und fühle mich wie vom Himmel her umarmt von meiner Mutter. Das ist wirklich tröstlich!

Aufgrund ihrer liebevollen Fürsorglichkeit über den Tod hinaus frage ich mich nun schon, ob meine Mutter wohl eine Vorahnung hatte, dass sie bald sterben werde. Ich meine - warum hat sie mir diese schönen Sachen nicht zu Lebzeiten gegeben? War es Absicht, dass ich sie erst nach ihrem Tod finde? Oder hätte sie mir diese wertvollen Kleidungsstücke zu Weihnachten schenken wollen? Es kommt mir so rätselhaft vor, und ich verstehe es nicht wirklich. Tatsächlich bin ich ziemlich verwirrt.

Ich versuche, es als Geste der Mutterliebe zu nehmen und will einfach dankbar sein dafür!

Montag, 28. September 2009

Auch das noch...!

Ich war heute Nachmittag mit meinem Bruder im Rechtsmedizinischen Institut der Uni Zürich, wohin unsere Mutter am Freitagabend gebracht worden war. Der Staatsanwalt hat den Hinschied meiner Mutter als ungewöhnlichen Todesfall beurteilt und deshalb eine Obduktion angeordnet, obwohl weder der Arzt noch der Polizist eine Dritteinwirkung vermutet hatten, als sie gefunden worden war, und auch sonst keinerlei Spuren von Gewalt oder so wahrzunehmen waren. Das Schliesssystem der Wohnung war ebenfalls intakt - sie war also eingeschlossen in ihrer eigenen Wohnung.

Trotzdem sollen morgen Schädel und Thorax meiner Mutter geöffnet, Gewebeproben entnommen und das Blut untersucht werden, um herauszufinden, ob eventuell eine Dritteinwirkung zu ihrem Tod geführt hat oder ob womöglich ein Suizid vorliegt.

Es ist entsetzlich! Natürlich würde ich wissen wollen, wenn jemand meiner Mutter das Leben genommen oder sie sich selbst umgebracht hätte. Aber ich kann mir weder das eine noch das andere vorstellen! Sie hatte meines Wissens keine Feinde, und Wertsachen hatte sie auch nicht, die gelohnt hätten, sie zu töten... Und dass sie ihr Leben selbst beendet hätte, ist dermassen absurd, dass ich nur den Kopf schütteln kann. Das widerspräche all ihren Überzeugungen als aktives Mitglied des Lectorium Rosicrucianum; nein, ich glaube niemals an Suizid!

Der Besuch bei der Gerichtsmedizin hatte aber auch sein Gutes: Ich durfte sie noch einmal unversehrt sehen. Und jetzt, da ich sie gesehen habe, kann ich auch glauben, dass sie wirklich tot ist. Vorher war das so abstrakt - ich hatte immer das Gefühl, sie könnte jeden Augenblick anrufen; ihr Tod war so unfassbar für mich. Jetzt nicht mehr; jetzt weiss ich es.

Dennoch beginnt das Gedankenkarussell sich zu drehen. Aber ich will und darf mir nicht vorstellen, dass sie aufgeschnitten und aufgesägt wird; sonst drehe ich durch. Das kann ich mir im Moment nicht leisten; ich brauche alle Kräfte, um am Mittwoch mit der ersten (von zwölf vorgesehenen) Taxol-Chemotherapie zurechtzukommen.

Ich fühle mich sehr erschöpft und hoffe, diese Nacht wieder einmal richtig schlafen zu können. Vielleicht geht es ja langsam, Schritt für Schritt, wieder aufwärts. Ich habe so den leisen Eindruck, das Leben habe mich wieder...

Freitag, 25. September 2009

... like a motherless child ...

Meine Mutter ist gestorben. Einfach so, aus heiterem Himmel, mit noch nicht einmal 76 Jahren. Ich bin fassungslos, kann und will nicht glauben, dass sie wirklich tot ist. Dass wir einander nie mehr besuchen, nie mehr miteinander reden und lachen werden. Dass ich nie mehr ihre liebe Stimme am Telefon hören werde...

Sie war von aussergewöhnlicher Herzenswärme und messerscharfem Verstand. Sie war inniger Anteilnahme und echter Freude fähig, konnte ermutigen, aber auch kritisieren. Mit ihr konnte ich stundenlang diskutieren über Gott und die Welt, oder auch einfach schweigen. Sie hatte Ausdauer, konnte aber auch eingestehen, wenn ihr etwas zu viel wurde. Und sie war fähig, anderen unaufdringlich und selbstverständlich zu helfen. Sie war ... meine Mutter eben!

Dies wird ein langer Abschied sein.

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