Freitag, 12. Juni 2009

Silberstreifen am Horizont

Dieser Freitag hatte es in sich! Der Weg nach Zürich war ärgerlich - auf der Autobahn versuchte irgend so ein Lackaffe, mit mir Schabernack zu treiben. Überholte mich immer wieder, bremste mich aus und fuhr dann nervig langsam vor mir weiter, bis es mir zu blöd wurde und ich ihn überholen (wollte), worauf er natürlich wieder Gas gab, mich nicht vorliess oder mich einmal mehr ausbremste... Genau das, was man/frau auf dem Weg zu einer wichtigen Untersuchung so braucht, oder? Ich verliess die Autobahn dann und fuhr dem See entlang nach Zürich. War sowieso viel schöner!

Glücklicherweise traf ich trotzdem noch rechtzeitig für die Knochen-Szintigrafie im Triemli-Spital ein. Man spritzte mir das radioaktive Zeugs, das allfällige Metastasen im Skelett sichtbar machen soll, und dann hiess es drei Stunden warten, bis sich die Substanz im Körper verteilt hatte. Und trinken, mindestens einen Liter - aber bloss keine Milch! Zum Glück teilte meine Tochter die Wartezeit mit mir; wir waren übrigens angenehm überrascht vom reichhaltigen Angebot der Cafeteria.

In der radio-onkologischen Abteilung drang schon von weitem eine absolut unmögliche, quietschende Stimme an mein Ohr, angereichert mit einem penetrant freundlichen Tonfall ... ich dachte nur, hoffentlich macht die nicht den Scan bei mir! Aber denkste - es war natürlich genau die. Ich weiss nicht, in welcher Hinsicht der vergebliche Versuch übertriebener Liebenswürdigkeit mit der Abwesenheit jeglichen Einfühlungsvermögens korreliert, aber diese Person wäre ein perfektes Beispiel dafür.

Ich musste mich ausziehen und auf einen Schragen legen. Wie ich das in solchen Situationen wegen meiner Rückenbeschwerden immer tue, zog ich die Beine an, um den Rücken einigermassen zu entlasten. Da riss die Frau mir die Beine gerade, und ich schrie auf vor Schmerz. Mit ihrer Quietschstimme entschuldigte sie sich pro forma, machte dasselbe nochmal und klebte (!) mir Füsse und Beine zusammen, damit ich sie nicht mehr bewegen konnte. Das mag ja notwendig sein, aber wie wäre es mit entsprechenden Erklärungen und etwas sorgfältigerem Vorgehen???

Dann ging's los - die ganze Prozedur dauerte etwa 90 Minuten. Ich war so geladen, dass ich jedesmal, wenn diese Person den Mund aufmachte, hätte schreien können: "Schnauze, verdammt nochmal! Sei bloss still!" Ich habe nichts gesagt, aber ich fürchte, ich war trotzdem reichlich unfreundlich. Ist ja sonst eigentlich nicht meine Art, aber...! Danach hiess es wieder Warten.

Mir schien das alles eine Ewigkeit zu dauern, aber endlich kam der erlösende Bescheid: Es gebe zwar Unregelmässigkeiten im Bereich der Brustwirbelsäule, die aber eher auf die baldige Notwendigkeit einer Rückenoperation als auf das Vorhandensein von Metastasen hindeuteten.

Was das im Klartext bedeutet?
Keine Metastasen im Skelett! Uff! Yeah!


Nun sehe ich der Chemotherapie guten Mutes entgegen, habe ich doch beste Aussichten, völlig geheilt zu werden!

Kommentare:

Strickfee-Pe hat gesagt…

Liebe Katarina,
diesen Befund habe ich mir für dich erhofft. Ich schicke dir ganz viel positive Gedanken und grüße dich ganz lieb, Petra

ZiZi hat gesagt…

Was für wundervolle Neuigkeiten, liebe Katarina! Ich freue mich mit dir und wünsche dir für die kommende Zeit ganz viel Kraft!
Das wird schon!
Teilweise schreibst du mit so einem herrlichen Galgenhumor ... da kann es nur GUT kommen!

Viele liebe Grüsse an dich!
Herzlichst - ZiZi

Brigitte hat gesagt…

Liebe Katarina. Das hört sich so gut an und ich wünsche dir von Herzen viel Kraft für die bevorstehende Chemotherapie. Das bedeutet schon wieder einen Schritt vorwärts und Hoffnung für dich.
Liebe Grüessli von Brigitte

wiebke hat gesagt…

da hast du ja sehr unangenehmes miterlebt..ja untersuchungen müssen sein..,aber warum hast du die person nicht angebrüllT ?ich hätte mich gegen solche rabiaten methoden massiv zur wehr gesetzt,das ist schon Körperverletzung.Melde den Vorfall auf jeden Fall schriftlich nachträglich bei der Klinikleitung,das muss abgestellt werden.
man kann auch anders untersucht werden,denke ich,oder glaubst du dass sie sowas mit einem kind machen können? lieber gruß wiebke

itto hat gesagt…

liebe katarina,
lass dich bloss nicht unterkriegen von diesen unangenehmen krankenhaus-leuten. meine schwester hat davon ein lied singen können, aber sie wurde stark dadurch, hat gelernt ihren mund aufzumachen und zu sagen was sie braucht und vor allem auch darauf zu bestehen, dass ihr erklärt wird, was die gerade mit ihr tun. und sie hat immer mitspracherecht gefordert, bei allem, was mit ihr und ihrem körper getan wurde. ich wünsche dir, dass du diese kraft ebenfalls aufbringen kannst, damit es dir gut geht, denn nur darum geht es doch im moment!
Gottes segen sei mit dir!
itto

Esther hat gesagt…

Liebe Katarina
Solche Situationen kenne ich auch. Leider ist man, da krank, nicht in der Lage sich zu wehren.
Aber wenn es dir wieder besser geht, da würde ich es sagen/schreiben. Auch das was du geschrieben hast, von wegen: Fehlende Liebenswürdigkeit durch besonders (falsche!) Freundlichkeit (Stimme), da stellen sich mir gleich die nackenhaare!
Aber du schaffst das. Und das Ergebnis ist absolut erfreulich!:)
Liebe Grüsse
Esther