Dienstag, 19. Oktober 2010

Talwanderung...

Ohne dass ich es wirklich bemerkt hätte, bin ich in eine Erschöpfungs-Depression gerutscht. Als mich eine meiner Freundinnen vor einiger Zeit besorgt fragte, ob es wohl möglich sein könnte, dass ich eine Depression hätte, lachte ich sie fast aus und fand den blossen Gedanken absurd. Und jetzt ... ist es eben doch so.

Rückblickend betrachtet, fing es mit einer gewissen Antriebslosigkeit an, mit einer Unlust, mit Müdigkeit und gleichzeitiger Schlaflosigkeit. Das Lebensgefühl sank und sank, und irgendwann hatte ich das Gefühl, man könnte mir eine Rakete unter den Stuhl stellen und ich würde mich trotzdem keinen Millimeter bewegen. Zwar machte ich gedanklich allerhand Pläne, wollte dies und jenes machen. Und war dann allein vom Ausdenken all dieser Ideen schon so erschöpft, dass ich einfach auf dem Sofa hockenblieb und den Tag vergehen liess. Abends ärgerte ich mich dann darüber, nichts geschafft, nichts geleistet zu haben.

So ging das Tag für Tag, bis eben meine Freundin besagten Verdacht äusserte. Dabei war ich doch nicht einmal besonders unglücklich, nur eben antriebslos, mutlos, sinnlos. Irgendwann fühlte ich mich so fremd in mir, dass ich etwas unternehmen musste. So will ich bestimmt nicht den Rest meines Lebens verbringen! Abgesehen von verschiedenen Vitamin- und Mineralstoffmängeln (Vitamin B12, D3, Selen, Kalium usw.) trotz gesunder und ausgewogener Ernährung ist mein Hämoglobin zu tief, und auch die Leberwerte sind nicht optimal.

Bevor ich nun aber irgendwelche Psychopharmaka einwerfe, sollen erst mal diese Mangelerscheinungen fundiert abgeklärt und dann entsprechend behandelt werden. Dann sehe ich weiter.

So, jetzt ist es draussen! Ich verstehe nicht wirklich, weshalb ich mich mit solchen Dingen so schwer tue. Vielleicht, weil der Brustkrebs halt eine "richtige" Krankheit ist und eine Depression höchstens auf einen "Dachschaden" schliessen lässt... xp100x Aber ich werde auch dies noch schaffen, brauche einfach etwas mehr Zeit. So schnell gibt meinereine schliesslich nicht auf!

Kommentare:

Claudine hat gesagt…

jaja, und die Abwaschmaschine ausräumen ist Schwerstarbeit! Ich kenne das nur zu gut, Ich hatte im Herbst 08 diese Diagnose. Ich nehme seit dem Serotonin, habe mich wunderbar erholt und fühlte mich seit langem wieder "lebendig". Nun bin ich am "Ausschleifen" des Medikamentes und bereue es keinen Tag, damit gelebt zu haben. Ich möchte dir Mut machen, es ist wirklich nicht so schlimm mit diesen Medis. Sie machen auch nicht süchtig.
Bei deinen Schicksalsschlägen ist es wirlich nicht verwunderlich, dass deine Akkus einfach leer sind.
Alles Gute und bis bald
Claudine

Jacky nadelt hat gesagt…

Liebe Katarina

Auch ich hatte diese Diagnose vor ein paar Jahren.... Panikattacken kamen hinzu.... es war oft fast unerträglich für mich, doch die Medis haben auch mir geholfen! Natürlich nicht nur diese allein...

Finde es stark, dass Du darüber schreibst, ich bin sicher, auch dies wird helfen....

Ich wünsche Dir viel Kraft und Mut!

Liebi Grüess
Jacky

mo hat gesagt…

Siehste woll????
Ist völlig Normal.

Du glaubst gar nicht, wie viele Menschen darunter leiden - u.a. auch, weil unsere Götter in weiß Null Ahnung davon haben.

Die verschreiben dir im besten Falle Hormonpflästerchen (wenn du im richtigen Alter bist *lol*) und schieben das auf die Wechseljahre.

Willkommen im Club!!!!
Du ahnst gar nicht, wie groß der ist!

Nur der Umgang mit der Krankheit ist differenziert - es gibt ja auch nicht "DIE Depression", sondern diverse Varianten.

Erschöpfungsdepressionen ("Burn Outs") haben den Vorteil, dass sie - sofern erkannt - relativ gut behandelt werden können und dann auch irgendwann "weg" sind.

Jedenfalls finde ich es gut, dass Du dieses Thema aufgegriffen hast.

Bussi
mo

Sunsy hat gesagt…

Liebe Katarina,
so eine Depression ist schlimm, aber gerade nach so einer schlimmen Krankheit absehbar, denke ich.
Und glaub ja nicht, dass nur Leute mit Dachschaden ;) eine Depression bekommen können. Es sind im Gegenteil vor allem die Menschen, die großes Pflichtgefühl haben und alles immer ganz genau und richtig machen wollen.
ich drücke dir ganz doll die Daumen, dass du sie ganz schnell überwindest.
Liebe Grüße - Sunsy

kreativberg hat gesagt…

Ich hab mal gehört, dass viele Leute in eine Depression geraten nach einer überstandenen schwer Erkrankung. Die ganze Energie, die man vorher gebraucht hat und hatte (auch wenn man es nicht für möglich gehalten hätte) hat Spuren hinterlassen. Und der Körper braucht Zeit - vielleicht löst sich schon vieles, wenn du die Mangelerscheinungen in Griff kriegst und dann vielleicht nochmal die ganze schwere Zeit, die hinter dir liegt, bewusst verarbeiten, damit du wirklich frei dein neues Leben hast. Ohne alte Energielöcher, die dich aussaugen, ohne dass du es merkst. Gut dass du eine Freundin hast, die da so offen und klar mit dir spricht und sieht, was sein könnte. Ich wünsch dir von Herzen alles Gute. maria

linnea hat gesagt…

ich finde es bei dir immer so bewundernswert, dass du so reflektiert über dich nachdenken und schreiben kannst und wünsche dir, dass dir die erkenntnis schon einen schritt weitergeholfen hat und du genug kraft und hilfe hast, um auch diese krise zu meistern.
alles liebe,
linnea

itto hat gesagt…

liebe katharina,
ich denke so oft an dich auch wnen ich mich nicht melde und ich hatte irgendwie schon so ein gefühl, dass es dir nicht besonders gut geht momentan.
ich wünsche dir, dass der urlaub deine stimmung aufmuntert und dass die mineralien und spurenelemente deinem körper und geist kraft geben.
ich habe ein wunderbares buch gelesen von elisabeth lukas "sehnsucht nach sinn" und ich möchte es dir gerne empfehlen. alles liebe aus marokko,
itto