Montag, 15. März 2010

Auf Tauchstation

Ich bin froh, dass meine Therapien beendet sind. Und doch - kann mir jemand sagen, warum ich mich nun so ... leer ... fühle? So orientierungslos? Ich habe irgendwie überhaupt keine Pläne, bin saft- und kraftlos.

Ich müsste doch jubeln jetzt, Pläne machen usw. Aber da ist ... nichts! Ausser dieser bleiernen Müdigkeit. Wieso schaffe ich es nicht, jetzt einfach froh und zufrieden zu sein? Ja klar, da ist immer noch die verbrannte Haut der bestrahlten Brust, die Fingerspitzen sind von der Chemo immer noch taub. Aber die Haare fangen wieder an zu wachsen; sehr spärlich zwar noch, aber immerhin. Und mit dem Stricken klappt's doch auch wieder ganz gut.

Seltsames geschieht mit mir. Ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser inneren Leere jetzt, wo die Behandlungen abgeschlossen sind. Ich habe nicht die geringste Energie, schon der Gedanke, etwas Grösseres anzupacken macht mich einfach nur müde. Ich sollte doch froh, glücklich und zufrieden sein, aber nein, mir kommen beim geringsten Anlass die Tränen. Bin mimosenhaft, habe kaum einen Blick für alles Gute, das mich umgibt.

Ich bin dankbar dafür, dass ein gnädiges Schicksal mich in einem Land leben lässt, wo es für eine Krankheit wie Brustkrebs Behandlungsmöglichkeiten gibt. Ich meine - wäre ich irgendwo draussen im Busch oder in der Wüste zur Welt gekommen, vielleicht in Afrika oder in der Mongolei, dann würde ich an meinem Brustkrebs einfach sterben und es würde niemanden gross kümmern. Ich bin so privilegiert und weiss das auch zu schätzen, aber mein Innenleben kommt irgendwie nicht mit. Natürlich bin ich froh, dass ich nun (hoffentlich) das Kapitel "Brustkrebs" abschliessen kann, aber...

Oft lese ich im Brustkrebs-Forum die Geschichten von Frauen, die unglaublich schwere Wege gehen müssen, und dann schäme ich mich dafür, nicht einfach still und zufrieden zu sein. Was ist bloss los? Ich kenne mich gar nicht so! Ich bin völlig "z'under-obsi" und komme überhaupt nicht zurecht mit der neu gewonnenen Freiheit, nirgendwo hinzumüssen, keine Therapie, keine Arzttermine usw. Ich glaube, ich spinne...

Kommentare:

Richi hat gesagt…

das passt aber schon, du bist nicht die Erste, die nach dem Ende der Behandlungen quasi in ein Loch fällt. Überleg mal, du musstest die letzten 10 Monate eine Menge leisten, das eigentlich über deine Kräfte hinausging. Und jetzt kann alles von dir abfallen, jetzt hast du im Prinzip alles getan was du tun konntest und kannst jetzt nur noch abwarten. Von 100 auf null von jetzt auf gleich. Da kann dein Körper gar nicht so schnell drauf reagieren.
Sei lieb zu ihm und lass ihm Zeit, deinem Körper. Wenn er dir jetzt sagt dass du nichts tun sollst, dann tu einfach nichts.

Anonym hat gesagt…

Liebe Katarina,
dasselbe musste ich bei meiner Mutter festellen. Die hat auch nach der Behandlung die Freiheit nicht nutzen können. Und es ist passiert, das sie in einen Manisch-Deppresiven Zustand gefallen ist.(und das 2 Woche vor der Adventszeit). Das hat uns als Familie sehr erschüttert, war meine Mutter doch meist der Fels in der Brandung. Wir mussten Sie in psychiatrische Pflege geben.Mittlerweile gehts Ihr wieder viel besser,aber sie ist immer noch in Pflege....Ich würde Dir raten zu einer Fachperson zu gehen und darüber zu sprechen. Sei es ei Arzt deinses Vertrauens,oder ein Psychologe. Sprechen kann helfen, die haben auch tips wie man das besser angehen kann. Mein Bruder und ich sind dann zusammen zu einem Psychologen, weil das für Uns so unheimlich schwer war...
Ich denke ganz feste an Dich..

Mit lieben grüssen Lea

Lee-Ann hat gesagt…

guten morgen liebe katarina
schön beschreibst du deine jetztige gefühlswelt und ich kann mir genau vorstellen wie du dich fühlst....auch ich rate dir, rede mit jemandem, es kann auch wer sein, der du einfach vertraust und gerne hast....und dieses loch finde ich absolut normal...solange lebt frau mit all den behandlungen, dass gar keine zeit für die gefühle danach da ist...und wenn die zeit danach da ist...dann soll man sich ganz schnell wieder einordnen und glücklich sein mit allem..aber das geht eben nicht so einfach wie man's will.....
ich drück dich auch ganz lieb und bin sicher es kommt gut, lass dir zeit dabei...
liebe grüsse lee-ann

ZiZi hat gesagt…

Liebi Katarina!
Auch ich denke, dass das (leider) ganz normal ist ... du musstest jetzt sooo lange "funktionieren"! Nimm dir einfach Zeit für die Müdigkeit! Vorallem - lass dich nicht runterziehen!
Ich drück dich und wünsch dir alles, alles Gute!
Herzlichst - ZiZi

Knitting-twitter hat gesagt…

liebe Katarina,
ich kann mir nur vorstellen, Dein Geist geht jetzt erstmal auf Halbmast, braucht Zeit sich wieder aufzurappeln, step by step, ich glaube auch, dass Gespräche Dich unterstützen könnten, aus diesem Loch rauszukrabbeln..Du machst es mal schon ordentlich richtig, Du redest über Dein Problem, Du frisst es nicht hinein, lass alles raus was weg muss, geniess die Sonnenstrahlen und was ist so schlimm an weinen? Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, Du hast den grössten untrainierten Marathon hinter Dir, nicht vorgewarnt musstest Du auf einmal diese Reise antreten und wie Du trefflich beschreibst, Du hast vorzügliche medizinische Unterstützung erhalten, jetzt kommt die Erschöpfung, die Erholung für Körper und Geist, aber Du wirst den Pokal in den Händen halten und etwas geniessen kannst Du ihn ja jetzt schon, stricken geht, andere kleine Freuden sind da..das kommt Katarina, sei offen für Hilfe falls Du welche brauchst und denk dran, wir bewundern Dich alle für Deine Stärke,so offen über Dein Problem reden zu können und ich und ich bin mir sicher, alle Anderen auch, schicken Dir heute recht viele positive Gedanken.. Kraft diese Durststrecke durch zu rennen, vielleicht ist es ja vorerst auch nur ein Kriechen, schleichen.. aber Deine volle Zeit kommt wieder!!! tschüssie und alles Liebe vom Bodensee.. Christa (ich muss mal meine Settings ändern, ich hab hier so eine kleine Schrift,dass ich kaum lesen kann was ich tippsel..)

mo hat gesagt…

Liebe Katarina,
das IST VÖLLIG NORMAL.
Die meisten sprechen nur nicht darüber.
So wie es postnatale Depressionen gibt, gehört auch die nach einem solchen Behandlungsmarathon samt den damit verbundenen Ängsten und Leiden auftretende Depression zu den Folgen.

Akzeptiere das erst einmal nur so als Fakt - nicht zu verwechseln mit kapitulieren.
Und suche Dir jemanden, der sich damit auskennt und mit dem Du darüber sprechen kannst und willst.
Da kommst Du auch wieder raus, keine Sorge.
Ich drück Dich mal ganz dolle
bussi
mo

Marlies hat gesagt…

Hee Katarina
Ich denke das ist normal so. Das hört man so oft. Auch dafür brauchst du zeit die du dir unbedingt nehmen solltest. Geh alles schön langsam an auch das wird wieder. Gönne dir Ruhe und lass die Müdigkeit zu. Schlafe wann immer dir danach ist. Diese Zeit wird vergehn. ICh drück dich lieb und denke an dich. Ganz liebe Grüessel Marlies

z e n i . hat gesagt…

weit entfernt davon ratschläge zu erteilen die mir nicht zustehen hier einfach ein paar gedanken: bis jetzt wurdest du von deiner krankheit und der therapie bestimmt, sie hat deine energien aufgebraucht. jetzt kannst du wieder deinen eingenen rhythmus leben. sei müde wenn du müde bist, horche in dich hinein und bewege dich in deinem ureigenen rhythmus weg von deiner dich prüfenden zeit hin zur freude an den ganz alltäglichen dingen, peu a peu weg von der erschöpfung hin zum prallen leben!
sei stolz auf dich und darauf was du geschafft hast!
chapeau
daniela

Handstrick Flair hat gesagt…

Liebe Katarina,
es ist in Ordnung nichts machen zu müssen, zu sollen oder zu wollen. Auch dann, wenn einer keinen so kräfte- und energieraubenden Weg zurücklegt, wie Du es zuletzt erlebt hast. Deine Seele will zur Ruhe kommen, horche auf sie, horche auf Dein Körper und Deine Bedürfnisse und akzeptiere ihre Botschaften. Auch wenn die Technologie Deiner Behandlung eine Illusion des Fortschritts und der Schnelligkeit vermittelte, dauert in Wahrheit eine Genesung nicht schneller als im Busch. Sei dankbar dafür, dass Du Deine innere Stimme hören kannst, sie führt Dich auf den richtigen Weg. Genieße die Zeit der Langsamkeit.
Alles Liebe. Snjezana

Nadia hat gesagt…

Liebe Katarina
ich kann mich den Vorschreiberinnen nur anschliessen. Dazu kommt noch, dass du nun von einem Tag auf den andern wieder ganz auf dich selbst gestellt bist, nachdem du monatelang von Ärzten und Pflegenden umsorgt wurdest.Ich sende dir nochmals eine grosse Portion Geduld;-)!
Liebe Grüsse
Nadia

Dany, die mit den Katzen strickt. hat gesagt…

Liebe Katarina
Ja, es ist wie Mo schreibt, völlig normal. Dieses Loch nennt sich Fatigue und viele an Krebs erkrankten Menschen kennen das. Wenn Du googelst, dann finden sich viele Beiträge und Berichte von Betroffenen. Ich denke ein Psychologe mit onkologischer Erfahrung könnte Dir helfen. Wichtig ist auch, dass Du Deine Psyche nicht vergewaltigst, gib ihr Zeit zu genesen.
Ich als Angehörige bin damals auch in ein Loch gefallen. Genau in dem Moment da alle um uns herum von uns erwarteten endlich froh und glücklich zu sein. Schliesslich war die Behandlung erfolgreich beendet und was will man noch mehr ... Jemand der das nicht kennt, dieses Gefühl, kann das schwer nachvollziehen. Und man muss aufpassen dass man seine Gefühle nicht verleugnet und so tut als wenn man glücklich wäre.
Eine schwierige Zeit!
Ich wünsche Dir viel Kraft und schicke Dir viele Knuddels!
Grüessli
Dany

Allerleirauh hat gesagt…

Ich habe heute in meinem Blog eine Geschichte geschrieben und dabei auch an dich gedacht.
Ich wünsche dir ganz viel Sternenstaub in deinem nun wieder spriessenden Haaren.( Auch bei dir Frühling auf dem Kopf(o;)
Liebe Grüsse, Allerleirauh

Judith's La Strickeria und Strickclub hat gesagt…

toll katarina
du bist gesund, du darfst jetzt schlafen, wenn du müde bist, schneeglöckchen schauen wo's welche gibt, dein leeres terminbüchlein mit all dem füllen was dir gerade einfällt, zeit haben im warmen zimmer nach draussen zu sehn, und das alles, weil du gesund bist, weil du schlafen darfst wenn du müde bist......
erhole dich gut, jeden tag ein mü mehr, das genügt und bald kommt die energie zurück, für alle momente viel freude und genuss, judith

J.R. hat gesagt…

Wow - deine Seite hat Frühling, wie schön.

Liebe Katarina,

ich glaube, manchmal darf man sein Leid nicht in Relation zu anderen stellen. Manchmal gibt es einfach nur die eigene Gefühlswelt. Und die ist schon kompliziert genug. Dann brauch man auch nicht tough sein oder was leisten müssen, da gehts nur darum, auf die eigenen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Bei deinem Therapiemarathon, ist es für mich kein Wunder, das du erschöpft bist.

Dein Kopf bietet dir gerade keinen Ansporn für Größeres (indem er Freude und Euphorie verströmt) um dich vor einer Überanstrengung zu schützen. Nur weil die Behandlung vorbei ist, ist der Regenerationsprozess noch nicht unbedingt vorbei. Aber die Sonne kommt wieder, das steht fest.

Viele liebe Grüße
Deine J.R.

Ute hat gesagt…

Liebe Katarina,
so wie dein Blog ein neues Gesicht erhalten hat (ein völlig anderes als vorher - gefällt mir sehr gut) so ist dein Leben jetzt eben nicht mehr das gleiche .... Der Körper wird sich in den nächsten Wochen, Monaten erholen und die Seele muss den Wandel erst einmal verarbeiten.
Aber du hast deine Lieben, deine Tiere, die Natur (Frühjahr - die Natur macht sich wieder neu) und natürlich unser schönes Hobby mit der Wolle!
Und vergiss nicht: Warum sollte es jetzt, nachdem du alles überstanden hast, genau so weitergehen wie vorher????
Die Zeit wird es dir weisen ... es ist keine vergeudete Zeit, auch wenn du noch keinen Plan hast - nutze sie zur Erholung und schöpfe Kraft für alles, was sich neu ergeben wird.

Habe einen schönen Sonntag und sei lieb gegrüßt
Ute aus dem Ostallgäu

Anca hat gesagt…

Hallo Katharina,

Alles ist glaube Ich schon gesagt worden,Du hast gekämft,funktioniert,Termine nachgerennt,und jetzt...!!plötzlich ist Dies Alles fertig,keine Behandlungen,nicht mehr von Termin zu Termin fahren,einfach Leben.
Dies war Alles ein Jahr lang dein Lebensinhalt.
Ich hoffe der nun angefangene Frühling hilft Dir dabei.
Ich wüensche Dir Alles,Alles Gute,und lass dein Körper zeit,sich von All diese Strapazen sich zu erhohlen.
Liebe Gruesse,Anca.