Sonntag, 20. Februar 2011

Und noch eine Jacke - für meine Tochter

Eigentlich hatte ich meiner Tochter diese Jacke zu Weihnachten schenken wollen. Aber leider reichte es zeitlich nur für das Schultertuch und die Amadiisli. Meine tauben Fingerspitzen wirken sich halt immer noch auf mein Stricktempo aus... Macht nichts - sie hat die Jacke auch verspätet noch gerne angenommen ;-)
Ich habe die Jacke nach der Anleitung 126-1 von DROPS Design gestrickt. Das Teil ist im Kreis gestrickt und sowohl von der Konstruktion als auch von der Wirkung her schlicht genial! Nachdem das Blattmuster beendet war, wurde das schöne Stück zu einem Projekt, an dem ich getrost auch beim Fernsehen weiterarbeiten konnte. In der "Schlussrunde" hatte ich fast 500 Maschen auf der Nadel...

Da meine Tochter eine ausgesprochen empfindliche Haut hat, konnte ich kein Wollgarn verarbeiten. Ich entschied mich dann für das petrol-farbene Garn Martine (90% Polyacryl, 10% Mohair / 50 gr = 140 m) der Marke Home vom Kaufhaus Manor, das ich auf einer 5mm-KnitPicks-Rundstricknadel verstrickt habe. Es ist unglaublich weich und flauschig!

Meine Tochter ist hell begeistert von dieser Jacke, und mir gefällt sie auch sehr gut! Ich brauche ein wenig Pause von diesem Modell, aber auf den Herbst werde ich diese Jacke vielleicht noch für mich selbst stricken ... obwohl, fast 500 Maschen pro Runde ... mal sehen!

Ingrid Cardigan

Fertig geworden ist auch ein ewiges Projekt - der Ingrid Cardigan von Jeri Rigged; ich hatte schon zu zweifeln begonnen, ob ich nicht besser alles wieder auftrennen und etwas Einfacheres stricken soll... Aber schliesslich ist es gelungen, und ich bin ordentlich stolz auf dieses Werk!
Unterdessen trage ich diese Jacke fast täglich, sie ist ein richtiges Lieblingsstück geworden! Die Rückenansicht zeigt die plastischen Zopfmuster deutlich.
Die Jacke ist von oben nach unten gestrickt und hat keine einzige Naht! Besonders anspruchsvoll waren die eingestrickten Ärmel, und auch der zweiseitige Zopf an Kragen und Blende war nicht ohne...

Sollte ich diese Jacke ein zweites Mal stricken, würde ich die Taillierung weiter oben platzieren - da habe ich offenbar nicht aufgepasst. Jä nu, dieses Bisschen Lehrgeld zahle ich gerne für diese wunderschöne Jacke ;-)

Verstrickt habe ich das Garn Massimo (50% Wolle, 15% Kid Mohair, 35% Polyacryl / 50 gr = 100 m [ausverkauft]) in Schwarz von Jakob-Wolle (aus meinem Wollvorrat) auf einer 5,5-mm-Rundstricknadel von KnitPicks. Übrig geblieben sind sage und schreibe gerade mal 23 cm Wolle...

Nun bleibt mir noch, die Anleitung vom Englischen in die deutsche Sprache zu übertragen - das hatte ich Regina Satta vor über einem Jahr versprochen...

Endlich wieder einmal...

... etwas von mir hören resp. lesen lassen wollte ich eigentlich schon lange! Aber eben, irgendwie war's immer entweder zu spät oder zu früh, ich war zu müde oder zu beschäftigt ... irgendetwas war immer "zu", und so habt ihr wirklich viel zu lange auf neue Nachrichten von mir warten müssen.

Das vorweg: Es geht mir im Allgemeinen gut; meine Talwanderung habe ich fürs Erste abgeschlossen (hoffe ich mindestens). Seit anfangs Jahr gehe ich wieder regelmässig zur Misteltherapie, und ich habe den Eindruck, das tue mir sehr gut. Ich fühle mich stärker, unternehmungslustiger und freue mich unbändig auf die neue Gartensaison. Während der Schönwetterphase der letzten Tage juckte es mich schon gewaltig in den Fingern, am liebsten hätte ich gleich mit der Aussaat für die neuen Setzlinge begonnen. Aber - wie sich mit dem heutigen Schneefall zeigt - das wäre noch viel zu früh gewesen...

Es sind unterdessen etliche Strickprojekte von UFOs* zu FOs** geworden, die ich euch zeigen möchte. Ich fange mit den Morgaine-Socken an, die vor ein paar Tagen fertig geworden sind. Ich habe bei diesem KAL mitgemacht, weil mich Reginas Projekte faszinieren ... et voilà:
Die Socken haben eine phantastische Passform und sind äusserst angenehm zu tragen - danke, Regina!
Die Spitzen habe ich als Bandspitzen in glatt rechts statt im Rippenmuster gestrickt. Ich habe es eben gerne glatt über den Zehen... ;-)
Die einzige Änderung, die ich vorschlagen würde: Mir hätte es besser gefallen, wenn die Socken gegengleich gestrickt wären, das Muster also spiegelbildlich wäre! Ich werde diese Socken bestimmt nochmals stricken und werde die Strickschrift dann entsprechend anpassen.

Verstrickt habe ich eine Sockenwolle aus meinem Wollvorrat (no name) in Bordeaux mit einem 2,5-mm-Nadelspiel (Bambus). Es blieben genügend Reste übrig, um mir noch Amadiisli mit demselben Muster zu stricken.

* UFOS = UnFinished Objects **FOs = Finished Objects

Montag, 10. Januar 2011

Handwärmer

Im Lauf der letzten Monate habe ich natürlich auch etliches gestrickt. Eine Freundin hat sieben Paar Handwärmer aus Angorawolle bestellt, die sie dann zu Weihnachten verschenkte. Stellvertretend für alle zeige ich nur die petrolfarbenen Fingerless Mittens - alle anderen wurden mit einer alten Handykamera fotografiert, die Bilder sind von miserabler Qualität... Das Muster ist ein abgewandelter Celtic Knot. Verstrickt habe ich Wulff Angora (70% Angora, 30% Merino) auf einem 2,25-mm-Nadelspiel; pro Paar verbrauchte ich 24 gr dieses unglaublich weichen, kuscheligen Garns - ein Traum! Zusätzlich zu diesem petrolfarbenen Paar habe ich noch je ein Paar in Rot, Braun, Camel, Ciel, Gelb und Schwarz in verschiedenen selbst entworfenen, abgewandelten oder in Büchern vorhandenen Mustern in gleicher oder ähnlicher Machart gestrickt.

Sonntag, 9. Januar 2011

Spiegelungen

Heute Nachmittag hat mich eine liebe Freundin besucht - wir sind seinerzeit fast gleichzeitig an Brustkrebs erkrankt und haben alle Therapien gemeinsam überstanden. Seither sehen wir uns mehr oder weniger regelmässig, es hat sich eine schöne Freundschaft entwickelt, über die ich mich sehr freue.

Wir waren am Wägitalersee spazieren und durften ein Naturphänomen betrachten, das ich so überhaupt noch nie gesehen habe. Der See lag ganz still, das Wasser war dunkel, der Himmel leicht bewölkt. Und die Berge spiegelten sich im See... Ich war hingerissen! Das sah tatsächlich aus wie zwei aneinandergefügte Bilder, eine klare Trennlinie, und dann oben und unten dieselbe Ansicht... Wir haben den gemeinsamen Nachmittag sehr genossen, gönnten uns noch ein feines Essen in einem Restaurant mit Blick auf den See ... herrlich!

Samstag, 1. Januar 2011

Ein neues Jahr ...

Eines der schwierigsten Jahre meines Lebens ist zu Ende, ein neues hat begonnen!

Immer mal wieder schien es mir, als wollten die Tage, Wochen, Monate überhaupt nicht vergehen; dann wieder flog die Zeit nur so dahin. Die Talwanderung dauert(e) an, liess mich jedes Zeitgefühl vergessen. Ganz unten war ich, mittlerweile bin ich aber am Auftauchen.

Und jedes Mal, wenn ich ein Stück weit aus meinem Loch herausgekrabbelt war und über den Rand hinaus sah, entdeckte ich das Leben ganz neu, schmiedete eifrig Pläne ... und rutschte dann wieder ein Stück zurück in mein "gemütliches Elend".

Bis es mich erneut wunder nimmt, was "oben" wohl alles so vor sich gehen mag, ich die Steigeisen anschnalle und mich aufmache Richtung Welt. Ich rutsche unterdessen nicht mehr so weit zurück, dass ein weiterer Aufstieg unmöglich scheint - das Licht bleibt in Blickweite. Ich hoffe, im neuen Jahr irgendwann nicht mehr zurückzurutschen, mich auf einer erträglichen Ebene festhalten und von dort aus weiterkrabbeln zu können.

Eines Tages werde ich das Loch hinter mir zuschütten und oben bleiben. Für immer. Oder wenigstens vorläufig...

Übrigens verliefen meine letzten Nachsorge-Termine äusserst positiv: keine Rezidive, keine Metastasen! Geblieben sind die Poly-Neuropathien und die bleierne Müdigkeit (Fatigue), die mich zuweilen mitten in einem Gespräch einschlafen lässt - peinlich! Ich hoffe sehr, dass auch diese Spätfolgen der Chemotherapien irgendwann überwunden sein werden...

Strickiges habe ich etliches zu zeigen - "demnächst in diesem Theater"! Auch sonst ist einiges gelaufen, es haben sich neue Möglichkeiten eröffnet; zu gegebener Zeit werde ich davon erzählen.

"Ever tried. Ever failed. No matter! Try again. Fail again. Fail better!" Dieses Zitat von Samuel Beckett wird mein Leitwort für das neue Jahr 2011.*

Und in diesem Sinn grüsse ich euch alle, meine Leser/innen, und wünsche euch ein schönes, gutes, erfolgreiches und erfreuliches neues Jahr! Und für die weniger schönen Dinge, die dieses Jahr zweifellos auch für uns bereithalten wird, viel Kraft, Mut, Durchhaltevermögen ... und die Gelassenheit, auch in einem allfälligen Scheitern das Potenzial für eine Weiterentwicklung zu erkennen!

* "Immer wieder probiert. Und gescheitert. Und wenn schon! Probier's noch einmal. Scheitere wieder. Scheitere besser!"

Donnerstag, 4. November 2010

Roma, Roma, Roma...

Wieder zurück aus dem vorwiegend sonnigen Rom, fährt mir die winterliche Stimmung hier schon ein wenig ein... An die Fontana di Trevi habe ich nur schöne Erinnerungen ... vor rund 38 Jahren (!) sah ich diesen Brunnen zum ersten Mal, als ich, gerade mal 17jährig, mit meinen Schatz einfach von zuhause abgehauen bin und kurzerhand den Zug nach Rom bestiegen habe. Damals hatte es noch nicht dermassen viele Touristen (jedenfalls nicht so laute, unverschämte, rücksichtslose), es war richtig romantisch, mit meinem Liebsten auf dem Brunnenrand zu sitzen, zu plaudern ... heute ist das kaum mehr möglich. Das Monument für Vittorio Emmanuele II - meine Güte, was für ein pompöses Bauwerk! Aber für Übertreibungen in mancherlei Hinsicht sind die Italiener unter anderem ja berühmt ;-)Mir ist entfallen, was für Ruinen das sind, aber schön finde ich sie allemal. Weiss jemand etwas darüber?
Diesen Engel habe ich kurzerhand adoptiert und zu meinem temporären Schutzengel erkoren. Welch kraftvolle Haltung, welch entschlossenes Schreiten...!

Natürlich waren da noch allerhand andere Denkmäler, Sehenswürdigkeiten ... umgeben von soviel Kunst, Kultur und Geschichte hätte einer ja trümmlig werden können. Wir waren viel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, vor allem aber zu Fuss unterwegs. Das ermüdete mich doch ziemlich, und - hört, hört! - ich brachte es tatsächlich fertig, erholungshalber einfach einen ganzen Tag im Hotel zu bleiben, zu schlafen, zu lesen, zu stricken ...

Das hätte ich früher (d.h. vor meiner Brustkrebserkrankung) nicht fertiggebracht. Nun ja, da ist man in Rom, das muss man doch ausnützen und nicht einen ganzen Tag mit Nichtstun resp. Nichtssehen verplempern... Etwas verwundert, aber doch sehr erfreut stelle ich fest, dass ich lerne, auf meine Bedürfnisse zu achten und gut für mich zu sorgen ;-)

Schön war's, interessant, spannend - und etwas vom Bewegendsten an dieser Reise war die Erfahrung, wie gut es ist und tut, mit meiner Tochter unterwegs zu sein! Sie ist eine begnadete Reisebegleiterin, eine gute Mischung aus Keckheit und Zurückhaltung, Wissbegierde und Unbekümmertheit...Das Tochterkind auf der Spanischen Treppe, wo wir fast eine Stunde in der Sonne sassen, plauderten, Menschen beobachteten und es einfach genossen, miteinander da zu sein, hier und jetzt!

Am letzten Tag kamen wir dann noch an diesem Plakat vorbei - sie haben schon eine spezielle Art von Humor, die Italiener:Und zu guter Letzt noch dies - wäre ja schön, wenn es wahr würde:Schon mein Grossvater schrieb in einem seiner Gedichte: "Die Schönheit ist ein streng' Bedürfnis..."