Letzte Nacht ist unsere Uralt-Katzendame still und leise über die Regenbogenbrücke in den Katzenhimmel gegangen, wo sie hoffentlich wieder mit ihrem Gspänli vereint ist! Sie lag auf der Couch; als wir gegen 02:00 Uhr früh nochmals nach ihr sahen, atmete sie noch. Eine Stunde später war sie gegangen...
Heute Morgen lag s'Flämmli - die Katze, die s'Häxli in den letzten Wochen jeweils
täglich geputzt hatte, nachdem sie es selbst nicht mehr konnte - neben ihr. Es sah fast aus, als
hielte sie Totenwache.
Katzenfreundschaft: Flämmli (links) putzte die alte Katzendame täglich
Sobald die Sonne schien, wollte s'Häxli jeweils unbedingt ins Freie! Dann trugen wir sie auf den Sitzplatz hinaus, wo sie es sich auf ihrem Lammfell bequem machte und sich von der Sonne den Pelz wärmen liess.
Häxli lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen
Die letzten Tage waren eine
pflegerische Herausforderung; s'Häxli war sehr schwach und wir spürten,
dass sie bald gehen wollte. Sie brauchte seit Wochen zweimal täglich
eine NaCl-Infusion, weil sie nicht mehr genug Flüssigkeit zu sich nahm, und
natürlich ihre Tabletten wegen der Nierenkrankheit.
Langsam wurde s'Häxli immer schwächer; wir verwöhnten sie bis zuletzt
Vorgestern Abend hatten wir den Eindruck, sie wolle unbedingt zum Bach. Wir trugen sie hin, hielten sie in den Armen und betrachteten
mit ihr den Sonnenuntergang - sie liebte es, das Gurgeln des Wassers
zu hören, den Sonnenschein auf dem Pelz zu fühlen! Als es dämmerte und kühl wurde, machten wir es ihr wieder auf der Couch bequem. Ab diesem Zeitpunkt wollte sie
keine Infusionen, keine Tabletten mehr.
Geschwächt, aber mit wachem Blick: das letzte Portrait
Wir erfüllten ihr aber die Wünsche, die sie uns zu verstehen gab: Sie
bekam Rahmyoghurt und Vitaminpaste. Wir offerierten ihr Rauchlachs - den
ass sie noch wenige Stunden vor ihrem Tod mit sichtlichem Vergnügen, als sie schon längst nichts anderes mehr zu sich nahm.
Häxli liebte Schafwolle und Blumen - wir gaben ihr welche mit auf den Weg...
Wir haben unser Häxli unter dem Apfelbaum nahe des
Baches beerdigt, dessen leises Rauschen und Plätschern sie so liebte. Du warst eine
liebenswerte, eigensinnige, starke Katze - du wirst uns fehlen!
Ich wünschte mir, dass im kommenden Jahr vieles anders wird - zuversichtlich bin ich jedoch nicht wirklich. Mir scheint im Gegenteil, die Superreichen und (sonstigen) Abzocker werden immer skrupelloser im Bemühen, ihre Schäfchen möglichst unversehrt ins Trockene zu bringen. Auch auf Kosten der schwindenden Mittelschicht und des zunehmenden Prekariats - zahlen tun letztlich immer die Kleinen.
Aber steht's so nicht schon in der Bibel? "Wer hat, dem wird gegeben. Und wer nicht hat, dem wird auch das Wenige noch genommen." Da hilft es dann gar nichts, wenn den Armen dafür das Himmelreich versprochen wird... Aber Macht funktioniert offenbar immer so: Man richtet die Kleinen zugrunde und vertröstet sie auf irgendein Jenseits. Man faselt von ausgleichender Gerechtigkeit, bereichert sich aber schamlos an der Arbeitsleistung jener, die auf bezahlte Arbeit angewiesen sind (und das sind die meisten). Die Leistungen der Sozialversicherungen hingegen werden laufend abgebaut unter dem Vorwand, "der Staat" (oder wer auch immer) müsse sparen. Bei den unverschämten Bezügen der Bosse und Manager wird aber nicht gespart, und Steuervergünstigungen für Reiche sind der Normalfall - eben, zahlen müssen immer die Kleinen!
Mindestlöhne für jene, welche die Drecksarbeit machen? Fehlanzeige! Aber was würde geschehen, wenn z.B. niemand mehr den Müll beseitigen, die (öffentlichen) Klos reinigen, in den Fabriken malochen, in den Krankenhäusern putzen, die Kühe melken oder Getreide, Obst, Gemüse anbauen würde??? Wenn keiner mehr Autos reparieren, Häuser und Strassen bauen oder Möbel schreinern, im Winter Pisten präparieren oder mit dem Schneepflug unterwegs sein, in den Supermärkten die Regale auffüllen, in Selbstbedienungs-Restaurants Geschirr waschen wollte? Die Liste liesse sich unschwer fortsetzen...
Wir alle - auch und gerade die Reichen! - leben u.a. von den Menschen, die sich mit solchen Arbeiten die Hände schmutzig machen (müssen). Also muss unbedingt verhindert werden, dass die aufmucken; man hält sie kurz, gibt ihnen zu verstehen, dass ihre Leistung minderwertig und deshalb schlecht bezahlt sei. Man gibt ihnen gerade genug, dass sie hoffen können, vielleicht doch noch irgendwann auf einen grünen Zweig zu kommen. Aber zu wenig, als dass sie das auch schaffen könnten. Dass es ganz selten einem von ihnen trotzdem gelingt, hält die anderen bei der Stange... Es ist ein fieses System!
Alters-/Invalidenrenten, von denen man anständig leben kann? Nicht doch! Auch die Alten und Kranken muss man knapp halten, damit sie dauernd beschäftigt sind, irgendwie über die Runden zu kommen. Sonst kämen sie womöglich noch auf die Idee, es stehe ihnen mehr zu, und das ginge dann ja zulasten der Besitzenden - wer sonst könnte das denn finanzieren!?!
Strafverfolgung von adligen oder sonstwie "höhergestellten" Betrügern? Nein, die lässt man laufen. Man besorgt ihnen gut bezahlte Posten bei der EU oder irgendwo in den Teppichetagen. Der Beispiele gäbe es viele...
Aber es gibt Menschen, die anders denken, die anders handeln. Es gibt anständige Reiche und Arbeitgeber. Und ja, die Hoffnung stirbt zuletzt! Bewegungen wie die Demonstrationen der Occupy-Leute, aber auch der arabische Frühling und die Aufstände in China, die Absetzung Berlusconis sowie die Niederlagen der SVP bei den kürzlichen Wahlen geben mir eine leise Hoffnung. Es scheint, dass "das Volk" nicht mehr willens ist, sich weiter abzocken und unterbuttern zu lassen.
Möglicherweise ist es jetzt Zeit für einen Wandel. Die Alternative dazu will ich mir gar nicht vorstellen... Da ist mir die Hoffnung lieber!
Wir feiern Christi Geburt, alle Jahre wieder. Viele Menschen geben eine Menge Geld aus für Geschenke. Wir schreiben Karten, wünschen frohe Festtage und besuchen einander. Wir denken an Menschen, die uns lieb sind ... und an solche, an die wir während des ganzen Jahres sonst kaum einen Gedanken verschwenden.
Dabei sind wir alle ein Wunder, jede/r einzelne von uns ist das Ergebnis unglaublicher Ereignisse, die in einer kaum fassbaren Präzision ablaufen, sodass wir werden, was wir sind:
In den Menschen, die uns begegnen, das Wunder des Lebens erkennen - das wäre bestimmt auch im Sinn jenes Mannes, dessen Geburt wir dieser Tage feiern!
Es gibt so wunderweisse Nächte, Drin alle Dinge Silber sind. Da schimmert mancher Stern so lind, Als ob er fromme Hirten brächte Zu einem neuen Jesuskind.
Weit wie mit dichtem Diamantenstaube Bestreut, erscheinen Flur und Flut, Und in die Herzen, traumsgemut, Steigt ein kapellenloser Glaube, Der leise seine Wunder tut.
Rainer Maria Rilke
Ich wünsche allen einen frohen, lichterfüllten und liebevollen Weihnachtsabend!
... die vereinigte Bundesversammlung morgen Christoph Blocher in den Bundesrat wählte? Zugegeben, das ist ein eher unwahrscheinliches Szenario. Trotzdem reizt es mich, den Gedanken weiterzuspinnen:
Sollte Blocher gewählt werden und in der Folge Annahme der Wahl erklären, müsste die SVP ihn laut selbstverfasster Regel aus der Partei ausschliessen... Irrtum vorbehalten, würden wir wohl alsbald erleben, dass diese Regel für den Herrn Chefstrategen natürlich nicht gilt! Womit dann endgültig klar wäre, dass diese Partei keinerlei Anspruch auf einen zweiten Bundesratsitz hat.
Lehnte er die Wahl ab - was er ja eigentlich müsste (ich bin aber gar nicht sicher, ob er der Versuchung zur Macht zu widerstehen imstande wäre) -, wäre die Bundesversammlung frei, zu wählen, wen immer ihr genehm ist.*
Die Ränkespiele der vergangenen Tage - "Affäre Zuppiger", Nominierung Hansjörg Walter, Oppositions-Drohungen an die Adresse der Fraktionen - sind schlicht dégoûtant. Ich kann dieses wichtigtuerische Gehabe einfach nicht ausstehen!
Das Tüpfli auf dem i sind die heute bekannt gewordenen Lügereien rund um die BaZ! Es ist einfach unerhört, gegenüber Medien, Belegschaft und Bevölkerung so unverfroren zu lügen und gleichzeitig zu meinen, man sei auch nur im geringsten dazu legitimiert, politische Ämter zu bekleiden! Solche Unehrlichkeit kann ich auf keine Art und Weise rechtfertigen oder gutheissen.
Morgen um 07:15 Uhr beginnt im Radio die Berichterstattung zu den Bundesratswahlen. Keine Frage, dass ich am Radio hängen werde, bis wir wieder sieben Bundesrät/innen haben...
Vermutlich wird alles beim alten bleiben; zumindest hoffe ich das! Welcher der beiden SP-Kandidaten den Platz von Micheline Calmy-Rey einnehmen wird, spielt meines Erachtens keine so grosse Rolle; die anderen sollten meiner Meinung nach wiedergewählt werden.
* Hätte z.B. die SP eine/n nicht nominierte/n Bundesrätin/-rat nach der Wahl aus der Partei augeschlossen und danach weiterhin einen zweiten (resp. eben dritten!) Sitz im BR einzufordern gewagt - die SVP hätte gesagt, das sei das Problem der SP, sie hätten doch ihren Sitz! Aber eben, manche messen halt mit zweierlei Ellen...
Auf dem Heimweg war es nass und kalt, aber plötzlich stand da ein Regenbogen - war gar nicht so einfach, den während der Fahrt und durch die Windschutzscheibe zu fotografieren, und dann auch noch mit dem Handy ;-) Die Zeit im Krankenhaus schien überhaupt nicht vergehen zu wollen... Seit vorgestern Nachmittag bin ich endlich wieder zuhause; rechtzeitig vor dem Spitalaustritt traf sogar noch der histologische Befund ein: Alle vier Exzisate sind "ohne Anhaltspunkt auf Malignität" - d.h. sie sind gutartig! Welche Erleichterung!
Die Operation und auch der Heilungsprozess verliefen zunächst gut und problemlos. Aber nach rund vierzig Stunden platzte in der operierten Brust ein Gefäss; das ins Gewebe sickernde Blut verursachte sehr schnell eine erhebliche, äusserst schmerzhafte Schwellung. Nicht einmal Morphiumspritzen vermochten diesen Schmerz zu lindern - ich hatte innert kürzester Zeit das Gefühl, die Brust würde gleich platzen. Die diensthabende Ärztin rief das OP-Team zusammen; in aller Herrgottsfrühe wurde ich durch eine Notoperation von meiner Pein erlöst. Noch nie war ich so dankbar, mich in eine Narkose fallen lassen zu dürfen...
Es wurden weit über 300 ml Blut und Koagel aus der Wundhöhle der vorangegangenen OP und dem umliegenden Gewebe entfernt. Unterdessen schillert meine Brust in allen Farben, auch ist sie noch sehr geschwollen. Und die Folgen von zwei Vollnarkosen innerhalb von zwei Tagen, wollen auch erstmal weggesteckt sein. Aber das wird schon wieder!
Ich bin den umsichtigen Ärztinnen und den engagierten Pflegenden der gynäkologischen Station im Paracelsus-Spital sehr dankbar für die kompetente Behandlung, die liebevolle Pflege und die menschliche Wärme, die sie mir während meines Aufenthalts dort geschenkt haben! Und dies ist der Ausblick vom Spital Richtung Zürichsee, aufgenommen nach der OP-Besprechung Ende Oktober. In solcher Umgebung muss man ja gesund werden, oder?
P.S.: Natürlich bin ich nicht selbst gefahren - mein Liebster hat mich vom Krankenhaus abgeholt. Sonst hätte ich doch während der Fahrt gar nicht fotografieren können...
Seit einiger Zeit weiss ich, dass in meiner operierten Brust wieder etwas wächst. Leider an einer ganz dummen Stelle, wo man keine Biopsie machen konnte. Also musste ich halt zur Mammografie, auch ein Ultraschall wurde gleich gemacht.
Um es kurz zu machen: Da sind ein Knoten 8x13 mm und ein 4-mm-Knötchen, beide unklarer Beschaffenheit. Also weder eindeutig bösartig, aber auch nicht klar gutartig. Dazu wurde noch ein verkalktes Fibroadenom gefunden - wenigstens das ist sicher gutartig. Nach reiflicher Überlegung und verschiedenen Gesprächen mit meiner Gynäkologin, der Onkologin und meinen Lieben haben wir beschlossen, dass die Dinger rausmüssen! Nachdem mein erster Tumor von extremer Aggressivität war (staging G3), wäre das Risiko, abzuwarten und womöglich etwas zu verschleppen, einfach zu gross.
Morgen werde ich ins Krankenhaus eintreten, übermorgen erfolgt die Operation. Und danach heisst es, auf den histologischen Befund warten. Ich hoffe sehr, dass sich in meiner Brust weder Metastasen noch Rezidive oder eine Neuerkrankung entwickelt haben, sondern einfach nur harmlose Fettklümpchen, entzündete Lymphknoten oder was weiss ich...
Immerhin: Ich hatte zweieinhalb Jahre Ruhe; das ist mehr, als manchen anderen vergönnt ist! Und es besteht berechtigte Hoffnung, dass es sich um gutartige Gewächse handelt. Aber ein wenig flau ist mir jetzt schon...
Während Wochen beherrschte ein Thema die Titelseiten der Zeitungen und die Nachrichtensendungen in Radio und Fernsehen: Die Volksaufstände in Nordafrika, in letzter Zeit vor allem der Aufstand in Libyen. Am Anfang sah es gut aus für die Rebellen. Sie nahmen Städte ein, Teile der Armee(führung) liefen zu den Aufständischen über. Nach den erfolgreichen Revolutionen in Tunesien und Ägypten hoffte man (ich!), dass auch in Libyen "alles gut gehen" würde.
Irritiert hat mich von Anfang an die zögerliche Haltung der Westmächte. Gewisse Politiker verrieten den Grund dafür wohl eher ungewollt: Was machen wir bloss, wenn al-Ghaddafi doch an der Macht bleibt und wir uns auf die in diesem Fall "falsche" Seite, die Seite der Aufständischen geschlagen haben? Wir brauchen doch das libysche Öl (meines Wissens bezieht die Schweiz nach dem Libyen-Konflikt der letzten Jahre nur noch marginale Mengen libyschen Öls)!
Unterdessen bombardiert der gnadenlose Diktator sein eigenes Volk und holt Söldner ins Land, denen er pro getöteten Aufständischen angeblich 10'000 $ bezahlt. Viele Gastarbeiter fliehen aus Libyen, vor allem nach Tunesien - und die einzige Sorge, die uns Schweizer plagt, sind die Flüchtlinge, die es möglicherweise wagen könnten, zu uns zu kommen und uns in unserem satten Wohlstand zu stören...
Erinnern wir uns: al-Ghaddafi hielt bulgarische Krankenschwestern jahrelang in Gefangenschaft und warf ihnen vor, libysche Patient/innen mit dem Aids-Virus infiziert zu haben. Als sein Sohn Hannibal in Genf wegen Misshandlung von Hausangestellten verhaftet wurde, brach sein Vater eine Staatskrise vom Zaun. Er verweigerte zwei schweizerischen Geschäftsleuten in Libyen die Ausreise und hielt sie als Geiseln fest. Angeblich hat die Schweiz 1,5 Millionen Franken an Hannibal al-Ghaddafi gezahlt...
Heute wurde bekannt, dass die westlichen Länder sich nicht darauf einigen konnten, die Aufständischen in Libyen z.B. mit einer Flugverbotszone zu unterstützen. Unterdessen wird in Libyen gekämpft, es sind schwere Gefechte im Gang.
Sollte al-Ghaddafi es tatsächlich schaffen, die noch in der Hand der Aufständischen befindlichen Städte zurückzuerobern, ist damit zu rechnen, dass er grausame Vergeltung üben wird. Ob dann noch viele Menschen übrigbleiben werden, die allenfalls bei uns ein Asylgesuch stellen könnten, ist mehr fraglich.
Wir können uns dann ja wieder einmal betroffen fühlen, uns vielleicht ein bisschen schämen und unsere Hände ansonsten in Unschuld waschen. Hauptsache, uns geht es gut, oder?
Das Erdbeben in Japan mit dem nachfolgenden Tsunami und dem drohenden nuklearen GAU sind grauenvoll. Ich fühle mit allen, die dort jetzt unvorstellbares Leid erfahren und alles verloren haben - nicht nur materielle Dinge, die sind ersetzbar -, sondern auch Eltern, Kinder, Freunde und Freundinnen. Sich einzufühlen in den unermesslichen Schmerz dieser Menschen, öffnet das Herz - wir haben Mitleid und wollen dazu beitragen, diese schreckliche Not zu lindern...
Für al-Ghaddafi kam diese Katastrophe allerdings im richtigen Moment: Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wandte sich von Libyen ab! Seinen Rachefeldzug kann er nun führen, ohne dass ob seiner Grausamkeit gleich die halbe Welt aufschreit...
Am Mittwoch hatte ich Nachsorge-Termin. Ich muss zugeben, dass meine Knie schlotterten, aber ich gab mich ganz cool, beantwortete die Fragen der Ärztin. liess mich abtasten - und das war's dann auch schon... "Alles in Ordnung bei Ihnen!", meinte sie lächelnd; nun habe ich wieder für drei Monate Ruhe.
Kurz darauf bin ich (wieder einmal hier) auf diese 10 Gebote gestossen:
1. Du sollst dich wegen deiner Krankheit nicht minderwertig fühlen. 2. Du sollst einen beschwerdefreien Tag genießen. 3. Du sollst nicht glauben, dass du schuld an deiner Krankheit bist. 4. Du sollst ohne schlechtes Gewissen egoistisch sein dürfen. 5. Du sollst auch jammern dürfen. 6. Du sollst nicht verzweifeln. 7. Du sollst einem Arzt nicht alles glauben. 8. Du sollst dich des Lebens erfreuen. 9. Du sollst dich nicht aufgeben. 10. Du sollst an deine Genesung glauben.
Das will ich mir immer mal wieder vor Augen führen, wenn meine Angst mit mir durchzugehen droht wie eine Herde wildgewordener Rinder ;-) Ist doch gut, dass sich immer wieder jemand die Mühe macht, solch mutmachende Worte aufzuschreiben...
Dieses Zitat habe ich bei DreamsAndMe gefunden, und ich finde, es trifft meine grundsätzliche Haltung gegenüber den alltäglichen Widrigkeiten des Lebens ganz gut:
So ist das Leben und so muss man es nehmen, tapfer, unverzagt und lächelnd - trotz alledem.
(Rosa Luxemburg)
Das gelingt mir mal besser, mal weniger gut, aber im Augenblick bin ich zufrieden. Seit meiner Erkrankung machen mir immer mal wieder düstere Gedanken zu schaffen: Nächste Woche muss ich wieder zur Nachsorge, und da machen sich schon Befürchtungen bemerkbar.
Sie zu ignorieren, wäre unklug - immerhin wurde mein Rückfallrisiko als hoch eingestuft; ein negativer Bescheid liegt also durchaus im Bereich des Möglichen. Ich beschäftige mich nicht dauernd mit dieser Option, aber die Augen davor zu verschliessen hilft auch nicht weiter.
Trotzdem hoffe ich tapfer, unverzagt und lächelnd auf einen guten Befund; die Tage bis dahin werde ich auch noch irgendwie überstehen. ;-)
... etwas von mir hören resp. lesen lassen wollte ich eigentlich schon lange! Aber eben, irgendwie war's immer entweder zu spät oder zu früh, ich war zu müde oder zu beschäftigt ... irgendetwas war immer "zu", und so habt ihr wirklich viel zu lange auf neue Nachrichten von mir warten müssen.
Das vorweg: Es geht mir im Allgemeinen gut; meine Talwanderung habe ich fürs Erste abgeschlossen (hoffe ich mindestens). Seit anfangs Jahr gehe ich wieder regelmässig zur Misteltherapie, und ich habe den Eindruck, das tue mir sehr gut. Ich fühle mich stärker, unternehmungslustiger und freue mich unbändig auf die neue Gartensaison. Während der Schönwetterphase der letzten Tage juckte es mich schon gewaltig in den Fingern, am liebsten hätte ich gleich mit der Aussaat für die neuen Setzlinge begonnen. Aber - wie sich mit dem heutigen Schneefall zeigt - das wäre noch viel zu früh gewesen...
Es sind unterdessen etliche Strickprojekte von UFOs* zu FOs** geworden, die ich euch zeigen möchte. Ich fange mit den Morgaine-Socken an, die vor ein paar Tagen fertig geworden sind. Ich habe bei diesem KAL mitgemacht, weil mich Reginas Projekte faszinieren ... et voilà: Die Socken haben eine phantastische Passform und sind äusserst angenehm zu tragen - danke, Regina! Die Spitzen habe ich als Bandspitzen in glatt rechts statt im Rippenmuster gestrickt. Ich habe es eben gerne glatt über den Zehen... ;-) Die einzige Änderung, die ich vorschlagen würde: Mir hätte es besser gefallen, wenn die Socken gegengleich gestrickt wären, das Muster also spiegelbildlich wäre! Ich werde diese Socken bestimmt nochmals stricken und werde die Strickschrift dann entsprechend anpassen.
Verstrickt habe ich eine Sockenwolle aus meinem Wollvorrat (no name) in Bordeaux mit einem 2,5-mm-Nadelspiel (Bambus). Es blieben genügend Reste übrig, um mir noch Amadiisli mit demselben Muster zu stricken.
Eines der schwierigsten Jahre meines Lebens ist zu Ende, ein neues hat begonnen!
Immer mal wieder schien es mir, als wollten die Tage, Wochen, Monate überhaupt nicht vergehen; dann wieder flog die Zeit nur so dahin. Die Talwanderung dauert(e) an, liess mich jedes Zeitgefühl vergessen. Ganz unten war ich, mittlerweile bin ich aber am Auftauchen.
Und jedes Mal, wenn ich ein Stück weit aus meinem Loch herausgekrabbelt war und über den Rand hinaus sah, entdeckte ich das Leben ganz neu, schmiedete eifrig Pläne ... und rutschte dann wieder ein Stück zurück in mein "gemütliches Elend".
Bis es mich erneut wunder nimmt, was "oben" wohl alles so vor sich gehen mag, ich die Steigeisen anschnalle und mich aufmache Richtung Welt. Ich rutsche unterdessen nicht mehr so weit zurück, dass ein weiterer Aufstieg unmöglich scheint - das Licht bleibt in Blickweite. Ich hoffe, im neuen Jahr irgendwann nicht mehr zurückzurutschen, mich auf einer erträglichen Ebene festhalten und von dort aus weiterkrabbeln zu können.
Eines Tages werde ich das Loch hinter mir zuschütten und oben bleiben. Für immer. Oder wenigstens vorläufig...
Übrigens verliefen meine letzten Nachsorge-Termine äusserst positiv: keine Rezidive, keine Metastasen! Geblieben sind die Poly-Neuropathien und die bleierne Müdigkeit (Fatigue), die mich zuweilen mitten in einem Gespräch einschlafen lässt - peinlich! Ich hoffe sehr, dass auch diese Spätfolgen der Chemotherapien irgendwann überwunden sein werden...
Strickiges habe ich etliches zu zeigen - "demnächst in diesem Theater"! Auch sonst ist einiges gelaufen, es haben sich neue Möglichkeiten eröffnet; zu gegebener Zeit werde ich davon erzählen.
"Ever tried. Ever failed. No matter! Try again. Fail again. Fail better!" Dieses Zitat von Samuel Beckett wird mein Leitwort für das neue Jahr 2011.*
Und in diesem Sinn grüsse ich euch alle, meine Leser/innen, und wünsche euch ein schönes, gutes, erfolgreiches und erfreuliches neues Jahr! Und für die weniger schönen Dinge, die dieses Jahr zweifellos auch für uns bereithalten wird, viel Kraft, Mut, Durchhaltevermögen ... und die Gelassenheit, auch in einem allfälligen Scheitern das Potenzial für eine Weiterentwicklung zu erkennen!
* "Immer wieder probiert. Und gescheitert. Und wenn schon! Probier's noch einmal. Scheitere wieder. Scheitere besser!"
Ohne dass ich es wirklich bemerkt hätte, bin ich in eine Erschöpfungs-Depression gerutscht. Als mich eine meiner Freundinnen vor einiger Zeit besorgt fragte, ob es wohl möglich sein könnte, dass ich eine Depression hätte, lachte ich sie fast aus und fand den blossen Gedanken absurd. Und jetzt ... ist es eben doch so.
Rückblickend betrachtet, fing es mit einer gewissen Antriebslosigkeit an, mit einer Unlust, mit Müdigkeit und gleichzeitiger Schlaflosigkeit. Das Lebensgefühl sank und sank, und irgendwann hatte ich das Gefühl, man könnte mir eine Rakete unter den Stuhl stellen und ich würde mich trotzdem keinen Millimeter bewegen. Zwar machte ich gedanklich allerhand Pläne, wollte dies und jenes machen. Und war dann allein vom Ausdenken all dieser Ideen schon so erschöpft, dass ich einfach auf dem Sofa hockenblieb und den Tag vergehen liess. Abends ärgerte ich mich dann darüber, nichts geschafft, nichts geleistet zu haben.
So ging das Tag für Tag, bis eben meine Freundin besagten Verdacht äusserte. Dabei war ich doch nicht einmal besonders unglücklich, nur eben antriebslos, mutlos, sinnlos. Irgendwann fühlte ich mich so fremd in mir, dass ich etwas unternehmen musste. So will ich bestimmt nicht den Rest meines Lebens verbringen! Abgesehen von verschiedenen Vitamin- und Mineralstoffmängeln (Vitamin B12, D3, Selen, Kalium usw.) trotz gesunder und ausgewogener Ernährung ist mein Hämoglobin zu tief, und auch die Leberwerte sind nicht optimal.
Bevor ich nun aber irgendwelche Psychopharmaka einwerfe, sollen erst mal diese Mangelerscheinungen fundiert abgeklärt und dann entsprechend behandelt werden. Dann sehe ich weiter.
So, jetzt ist es draussen! Ich verstehe nicht wirklich, weshalb ich mich mit solchen Dingen so schwer tue. Vielleicht, weil der Brustkrebs halt eine "richtige" Krankheit ist und eine Depression höchstens auf einen "Dachschaden" schliessen lässt... Aber ich werde auch dies noch schaffen, brauche einfach etwas mehr Zeit. So schnell gibt meinereine schliesslich nicht auf!
Heute vor einem Jahr ist meine Mutter gestorben. Eigentlich ist es unvorstellbar, dass seit jenem Tag schon zwölf Monate vergangen sind. 52 Wochen. 365 Tage ohne meine Mutter. Ich weiss noch, wie ihre Stimme klang, sehe noch ihr freundliches Gesicht, ihr liebevolles Lächeln. Und immer noch vermisse ich sie, jeden Tag aufs neue. Ich war mit meinen Brüdern am frühen Nachmittag auf dem Friedhof verabredet. Es regnete in Strömen, wir standen da, froren. Ich legte die mitgebrachten Blumen dahin, wo ihre Urne im Gemeinschaftsgrab beigesetzt worden war. Irgendwie ist es trostlos, dass dort nichts, aber auch gar nichts an sie erinnert, nicht mal eine kleine Namenstafel. Als hätte es sie nie gegeben. Wir fuhren dann zu Mamis Ferienhaus und verbrachten einen verregneten Nachmittag in ihrer Datscha. Das Häuschen steht an einem Waldrand, sehr idyllisch gelegen. Natürlich war alles kalt, in den Räumen müffelte es wegen der hohen Luftfeuchtigkeit. Der eine Bruder heizte den Schwedenofen ein, bald knisterte ein Feuer, langsam wurde es warm im Stübli. Wir erzählten, erinnerten uns an sie. Der Kloss im Hals löste sich, bald fanden wir auch allerhand zu schmunzeln und zu lachen. Ich bin im Moment damit beschäftigt, den schriftlichen Nachlass unserer Mutter zu sichten. Da sind unzählige Briefe, Geschichten, Tagebücher. Ich habe damit begonnen, ihre Notizen in den Computer zu tippen, chronologisch, und hoffe, daraus irgendwann eine schlüssige Lebensgeschichte zusammenzustellen für mich, meine Brüder und unsere Kinder. Aus Anlass ihres Todestages hatte ich zwei von Mamis Geschichten auf schönes Papier ausgedruckt und meinen Brüdern mitgebracht; auch Mamis Schwestern - meinen Tanten - habe ich diese Geschichten zugeschickt, zusammen mit einem Foto. Am Abend sind wir noch zusammen Pizza essen gegangen. Es war ein traurig-fröhlicher, guter Tag, und wir haben im Sinn, diesen "Mami-Tag" zu einer Tradition werden zu lassen. Wir sehen einander seit ihrem Tod sowieso viel öfter als jemals zuvor. Ich glaube, unsere Mutter wäre zufrieden mit uns ...
Heute war mein zweiter Nachsorge-Termin nach dem Abschluss aller Therapien, die dem Brustkrebs hoffentlich den Garaus gemacht haben. Ich bin sooo erleichtert: Alles im grünen Bereich, kein Anlass zur Beunruhigung! Nun habe ich wieder drei Monate Ruhe.
Schon vor der ersten Kontroll-Untersuchung im Mai war ich dermassen nervös, dass ich an nichts anderes mehr denken konnte. Und dieses Mal war es auch nicht viel besser. Hm! Mir scheint, mit Vernunft und Logik allein komme ich diesem Problem nicht bei...
Es ist wirklich eine Herausforderung, mit dem Gefühl leben zu lernen, dass man dem eigenen Körper nicht mehr richtig trauen kann. Es gibt in gewisser Hinsicht einfach keine Sicherheit mehr.
Der Blick in die Zukunft ist manchmal beängstigend, meistens aber hoffnungsvoll. Nach Diagnose, OP und Chemo- sowie Strahlentherapie braucht es einfach Zeit, mit dem neuen Körper(-gefühl), meinem veränderten Aussehen und auch mit einigen revidierten Lebenseinstellungen wirklich vertraut zu werden - und nicht mehr bei fast jedem Wehwehchen gleich an Metastasen oder Rezidive zu denken.
Angst ist eine normale Reaktion auf das Trauma (Brust-)Krebs; darüber reden zu können, ist unerlässlich und hilft mir dabei, meine Befürchtungen auf "Lebensgrösse" zurechtzustutzen ;-) Damit meine ich nicht ein dumbes "das wird schon alles wieder gut!", sondern eine reflektierte Haltung - ich weiss zwar, was geschehen kann, lasse aber nicht zu, dass dieses Wissen mein ganzes Lebensgefühl beherrscht.
Das Leben an sich hat einen anderen Wert gewonnen; ich lerne Dinge zu schätzen, die ich "vorher" für selbstverständlich hielt, und gelange zur Einsicht, dass manches, worüber ich mich total aufregen konnte, den gefühls- und kräftemässigen Aufwand eigentlich nicht wert ist.
Wohl verstanden: Das sind Prozesse, der Weg aus der Angst gelingt nicht von heute auf morgen! Geduldig mit mir selbst zu sein und meine Liebsten um Geduld und Verständnis für die besondere Lebenssituation zu bitten, gehört dazu.
Heute war also der grosse Tag für meinen kleinen Neffen Lukas; er wurde getauft in einem wunderschönen, schlichten, ergreifenden Gottesdienst. Und auch das Jäckli ist rechtzeitig fertig geworden, jedenfalls beinahe... Irgendwie hat sich das Taubheitsgefühl in meinen Händen in den letzten Tagen wieder verschlechtert, sodass ich ziemlich Mühe hatte mit stricken. Das zwang mich zu einem Strickmarathon - letzte Nacht strickte ich bis morgens um vier Uhr. Ich kippte schon fast vom Diwan, also stellte ich den Wecker auf sieben Uhr und legte mich schlafen mit der Absicht, am Morgen dann noch die Knöpfe anzunähen. Aber es war wie verhext: Ausgerechnet in dieser Nacht hatten wir einen Stromausfall! Der Wecker weckte mich nicht und ich schlief selig bis kurz nach acht ... dabei sollte ich doch um halb zehn in Zürich sein ;-) Und die Katzen und Kaninchen musste ich doch auch noch füttern - und die Wäsche abnehmen, die draussen im Regen hing. Ich war schon drauf und dran, halt zuhause zu bleiben, aber dann - nein, das wollte ich doch gar nicht! Also habe ich den Tierli ihr Frühstück im Laufschritt und ohne das übliche morgendliche Ritual mit Streicheleinheiten und Plaudereien verabreicht. Habe mich schnell wie selten in die Kleider gestürzt (ohne zu duschen, eieiei!), Jäckli, Knöpfe und passenden Faden eingepackt und bin losgefahren. So schnell war ich glaub's überhaupt noch nie in Zürich! Ich erreichte die Kirche sogar noch tout juste vor Beginn des Taufgottesdienstes... Schön war's, und auch das Fest danach war stimmungsvoll und gemütlich. Und vor dem Essen bot sich sogar noch Gelegenheit, in einer ruhigen Ecke noch die verflixten Knöpfe anzunähen!Das Kapuzenjäckli habe ich aus 260 gr Ackermann Jeans (100% Baumwolle, 110m/50gr) auf Rundstricknadeln (Body und Kapuze) und Nadelspielen (Ärmel) mit Nadelstärken 3mm und 4mm nach eigenem Entwurf gestrickt - ohne eine einzige Naht!* Dazu kamen fünf einfache Knöpfe aus Olivenholz. Die jungen Eltern haben sich sehr über das Jäckli gefreut, der Täufling äusserte sich nicht eindeutig - aber er wird das Teil sowieso erst im nächsten Frühling tragen können... ;-)
* Die Anleitung dazu werde ich demnächst zur Verfügung stellen.
Am vergangenen Sonntag war ich mit einer Freundin unterwegs. Wir hatten im Sinn, von der Sattelegg auf den Grossen Aubrig und zurück zu wandern. In der Nacht hatte es geregnet, über den Himmel zogen noch Restwolken, und die Alpwiesen waren überwältigend grün. Die Äste eines mächtigen Ahorns, moosig überwachsen und irgendwie märchenhaft. Und sehr grün! Solange wir auf den ausgeschilderten Wegen wanderten, blieben unsere Füsse trocken. Und wir hatten Zeit, die Landschaft zu bestaunen. Und selbst der Baumstumpf wirkte irgendwie ... grün. Wir gelangten zu einer Alphütte, wo wir uns aus dem Rucksack verpflegten. Die Weide war nach dem nächtlichen Regen geradezu unglaublich grün ;-) Ein Schild bei der Alpwirtschaft pries acht Sorten Yoghurt und frische Butter an. Käse hätten wir wohl gekauft, aber Butter im Rucksack? Yoghurt in der Hosentasche? Genüsslich verspiesen wir unseren Proviant und betrachteten den Aubrig mit Wolkenkappe ... ... und beschlossen dann, die Besteigung "meines" Hausbergs zu verschieben. Immerhin bin ich noch rekonvaleszent und fühlte mich angesichts der Distanz und der zu überwindenden Höhendifferenz leicht überfordert. ;-) Also kraxelten wir "queralpein" und verbanden die Verschnaufpausen damit, Gräser und Blumen zu betrachten und zu werweissen, was das wohl sein könnte (kein Bergthymian!). Auf dem Grat stiessen wir wie erwartet auf den Wanderweg zurück zur Sattelegg.
Nach insgesamt etwa vier Stunden setzten wir uns dankbar wieder ins Auto. Das war meine erste Wanderung nach meiner Krebserkrankung, Chemo- und Strahlentherapie. Fit bin ich ganz offensichtlich noch lange nicht, doch ich bin immerhin auf dem Weg dazu ... Zwar tat mir am Abend jedes noch so kleine Müskelchen weh, aber es war so schön, so herrlich, zu Fuss unterwegs zu sein in dieser wunderbaren Landschaft mit meiner ebenso wunderbaren und geduldigen Freundin!
Vor einer Woche sind wir von Tenerife zurückgekommen, und schon scheint alles wie ein Traum... Es waren wunderbare Tage mit meinen zwei Lieblingsmenschen, unser Gastgeberpaar war einfach perfekt (wir durften bei Freunden meiner Tochter wohnen), und das Wetter warm, aber nicht heiss - richtig angenehm. Der Teide gilt als eigentliches Wahrzeichen von Tenerife. Seit ein paar Jahren rumort der Vulkan. Ein Ausbruch soll aber laut Fachleuten keine einschneidenden Folgen haben, da der Lavastrom über weitgehend unbewohntes Gebiet fliessen soll. Calle de la Verdad - die Strasse der Wahrheit; ein typisches Strässchen unweit der Wohnung unserer Gastgeber. Tagtäglich bietet die kleine Fischerin ihren Fang zum Kauf an. Nur wenig Sand, und wenn, dann schwarzer - bei San Telmo gibt es einen schwarzen Kiesstrand. Wunderschön der Kontrast. Der Schwanenbrunnen bei der Kirche San Judas Tadeo, völlig verschnörkelt und von eigenwilligem Charme. Die Mole (Muelle) von Puerto de la Cruz, gleichzeitig kleiner Hafen und Badestrand - von bezaubernd rauher Anziehungskraft. Kraterlandschaft im Parque Nacional del Teide. Die Hitze dort war schier unerträglich, aber die Farben und die "Mondlandschaft" entschädigten dafür. Beim Roque del Peral gibt es ein Info-Zentrum, wo man sich einen Film über die Entstehung der kanarischen Inseln ansehen kann. Und draussen tummeln sich grosse Eidechsen gleich dutzendweise. Wenn man gegen Süden fährt (wo die meisten Touristen sind...), fällt die Küste fast senkrecht ins Meer ab. Überraschend die schroffen Felsen und die dunkle Farbe des Meeres. Daran kann man sich kaum sattsehen.
Jaaaa! Und das ist sie, die Paëlla die unsere Freunde für uns gekocht haben! Rund ein Dutzend Freunde und Freundinnen kamen, um mit uns zu essen, zu trinken und Neuigkeiten zu teilen. Es war ein wunderschöner Abend, und die Paëlla schmeckte einfach herrlich!
Heute ist mein Schwiegervater im Alter von über 97 Jahren gestorben. Nun ist es ja nicht gerade verwunderlich, das ein so hochbetagter Mensch stirbt, und doch bin ich überrascht - ich hatte noch nicht wirklich damit gerechnet.
Er war gewiss kein einfacher Mensch. Das mag unter anderem daran gelegen haben, dass er als intelligenter Mann das Leben für sich selbst und für seine Familie mit einer Arbeit verdienen musste, die seinen Fähigkeiten in keiner Weise entsprach. Aber er war an fast allen Themen interessiert, er war gewitzt und er hatte immer einen Spruch auf Lager. Sein Gedächtnis war geradezu phänomenal, oft erinnerte er sich an Details, die uns entfallen waren, was uns immer wieder ein Staunen abverlangte. Und er war ein begnadeter Mühle-Spieler, auch im hohen Alter kaum zu schlagen! Im Altersheim, wo er die letzten elf Jahre seines Lebens verbrachte, war er der unbestrittene Jass-König - und ein "Farbtupfer in unserer Gemeinschaft", wie der Heimleiter sagte, als wir kamen, um im Aufbahrungsraum von unserem Vater und Schwiegervater Abschied zu nehmen.
Mit seiner Debattierlust hatte er eine sehr anregende Wirkung auf mich; seine verhaltene Zuneigung empfand ich als Privileg. Sein Lob galt etwas, denn er lobte selten... Er nahm ernst, was ernst zu nehmen ist, und lachte über den Rest.
Nein, er war kein einfacher Mensch, aber ich hatte ihn gern, den lieben alten Chnusti - und er wird mir fehlen!
Heute bekam ich die 17. von insgesamt 25 Bestrahlungen - also Halbzeit, eher grosszügig gedacht ;-)
So langsam machen sich die Nebenwirkungen schon bemerkbar. Am unangenehmsten ist die Müdigkeit, die mir schwer wie Blei erscheint. Und die Schlaflosigkeit, die damit einhergeht - das klingt paradox, ich weiss. Aber diese Erfahrung machen viele Frauen während einer Strahlentherapie. Ich gehe allabendlich todmüde zu Bett, aber ... es schläft einfach nicht! Es ist nicht so, dass ich Gedankenkarussell führe, ich liege einfach nur da und schlafe nicht. Saublöd!
Dazu kommt eine unterdessen deutlich spürbare Reizung der bestrahlten Haut. In der Achselhöhle tut's jetzt richtig weh. Ich pflege die Haut so gut wie möglich, aber diese sonnenbrandähnliche Rötung ist offenbar gang und gäbe bei Radiotherapien, also lebe ich damit halt, bis es vorbei ist.
Ebenfalls störend sind die Schwitz-Attacken, die allerdings nicht eindeutig auf die Strahlentherapie zurückzuführen sind. Allerdings höre ich von Leidensgenossinnen Ähnliches. Vielleicht haben sie aber auch mit der wieder beginnenden Hormonproduktion zu tun, die war ja während der Chemo völlig lahmgelegt. Da ich vor der Operation noch als prä-menopausal getestet worden bin, könnte es sein, dass ich jetzt halt doch definitiv in die Wechseljahre komme (andere sind in meinem Alter schon damit fertig, gopf!). Und da gehören Wallungen wohl dazu, wenigstens in unseren Breitengraden.
Eine Nebenerscheinung der Chemo, das fehlende Geschmacksempfinden, scheint sich langsam zu normalisieren - es schmeckt endlich nicht mehr alles nach Sägemehl ;-) Und auch die Haare fangen zögerlich wieder zu spriessen an. Hellgrau mit dunklen Flecken ... ich sehe aus wie eine Hyäne, im Fall! Noch kann ich mich nicht ohne Kopftuch oder Perücke unter die Leute wagen, aber ich hoffe auf eine kecke Kurzhaarfrisur im Sommer! Leider sind Hände und Füsse immer noch taub; es kommt mir vor, als sei es sogar noch schlimmer geworden. Das ist sehr unangenehm und behindert mich auch.
Sonst geht es mir erstaunlich gut. Ich hatte von den Bestrahlungen und deren Nebenwirkungen viel Schlimmeres befürchtet. Ich hoffe nun, es gehe so weiter - noch 18 Bestrahlungstermine, dann habe ich es geschafft!
Als Bücherwurm seit jeher ist mir in verschiedenen Blogs natürlich diese Bücherliste aufgefallen. Nun bin ich zwar keine Deutsche, aber ich glaube nicht, dass sich die Leselust der Schweizer/innen gross von jener der Deutschen unterscheidet. Die fettgedruckten Titel habe ich gelesen - ganz schön viele eigentlich, wenn man es sich recht überlegt...
1. Der Herr der Ringe, JRR Tolkien 2. Die Bibel 3. Die Säulen der Erde, Ken Follett 4. Das Parfum, Patrick Süskind 5. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry 6. Buddenbrooks, Thomas Mann 7. Der Medicus, Noah Gordon 8. Der Alchimist, Paulo Coelho 9. Harry Potter und der Stein der Weisen, JK Rowling 10. Die Päpstin, Donna W. Cross 11. Tintenherz, Cornelia Funke 12. Feuer und Stein, Diana Gabaldon 13. Das Geisterhaus, Isabel Allende
14. Der Vorleser, Bernhard Schlink
15. Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe 16. Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zafón
17. Stolz und Vorurteil, Jane Austen
18. Der Name der Rose, Umberto Eco
19. Illuminati, Dan Brown 20. Effi Briest, Theodor Fontane 21. Harry Potter und der Orden des Phönix, JK Rowling 22. Der Zauberberg, Thomas Mann
23. Vom Winde verweht, Margaret Mitchell
24. Siddharta, Hermann Hesse 25. Die Entdeckung des Himmels, Harry Mulisch
26. Die unendliche Geschichte, Michael Ende 27. Das verborgene Wort, Ulla Hahn
28. Die Asche meiner Mutter, Frank McCourt
29. Narziss und Goldmund, Hermann Hesse
30. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley 31. Deutschstunde, Siegfried Lenz
32. Die Glut, Sándor Márai
33. Homo faber, Max Frisch 34. Die Entdeckung der Langsamkeit, Sten Nadolny
35. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera
36. Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez 37. Owen Meany, John Irving
38. Sofies Welt, Jostein Gaarder 39. Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams 40. Die Wand, Marlen Haushofer
41. Gottes Werk und Teufels Beitrag, John Irving 42. Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Gabriel Garcia Márquez
43. Der Stechlin, Theodor Fontane
44. Der Steppenwolf, Hermann Hesse
45. Wer die Nachtigall stört, Harper Lee 46. Joseph und seine Brüder, Thomas Mann
47. Der Laden, Erwin Strittmatter
48. Die Blechtrommel, Günter Grass 49. Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque 50. Der Schwarm, Frank Schätzing 51. Wie ein einziger Tag, Nicholas Sparks
52. Harry Potter und der Gefangene von Askaban, JK Rowling 53. Momo, Michael Ende 54. Jahrestage, Uwe Johnson
55. Traumfänger, Marlo Morgan
56. Der Fänger im Roggen, Jerome David Salinger 57. Sakrileg, Dan Brown 58. Krabat, Otfried Preußler 59. Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren 60. Wüstenblume, Waris Dirie 61. Geh, wohin dein Herz dich trägt, Susanna Tamaro
62. Hannas Töchter, Marianne Fredriksson
63. Mittsommermord, Henning Mankell
64. Die Rückkehr des Tanzlehrers, Henning Mankell
65. Das Hotel New Hampshire, John Irving
66. Krieg und Frieden, Leo N. Tolstoi
67. Das Glasperlenspiel, Hermann Hesse
68. Die Muschelsucher, Rosamunde Pilcher
69. Harry Potter und der Feuerkelch, JK Rowling 70. Tagebuch, Anne Frank 71. Salz auf unserer Haut, Benoite Groult
72. Jauche und Levkojen , Christine Brückner
73. Die Korrekturen, Jonathan Franzen
74. Die weiße Massai, Corinne Hofmann 75. Was ich liebte, Siri Hustvedt
76. Die dreizehn Leben des Käpt’n Blaubär, Walter Moers 77. Das Lächeln der Fortuna, Rebecca Gablé
78. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt
79. Winnetou, Karl May
80. Désirée, Annemarie Selinko
81. Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig
82. Garp und wie er die Welt sah, John Irving
83. Die Sturmhöhe, Emily Brontë
84. P.S. Ich liebe Dich, Cecilia Ahern
85. 1984, George Orwell 86. Mondscheintarif, Ildiko von Kürthy
87. Paula, Isabel Allende
88. Solange du da bist, Marc Levy
89. Es muss nicht immer Kaviar sein, Johannes Mario Simmel
90. Veronika beschließt zu sterben, Paulo Coelho
91. Der Chronist der Winde, Henning Mankell
92. Der Meister und Margarita, Michail Bulgakow
93. Schachnovelle, Stefan Zweig 94. Tadellöser & Wolff, Walter Kempowski
95. Anna Karenina, Leo N. Tolstoi
96. Schuld und Sühne, Fjodor Dostojewski
97. Der Graf von Monte Christo, Alexandre Dumas 98. Der Puppenspieler, Tanja Kinkel
99. Jane Eyre, Charlotte Brontë
100. Rote Sonne, schwarzes Land, Barbara Wood
Unterdessen lese und kaufe ich fast nur noch Fachliteratur. Übers Spinnen, Stricken, Nähen, Filzen... sowie Kunst- und Fotobücher. Für Romane habe ich irgendwie einfach keine Zeit mehr. Oder vielleicht sollte ich besser sagen: Unterdessen spinne, stricke, nähe und filze ich halt lieber! ;-)